Archiv der Kategorie 'diskurs'

  Falsche Freunde   

Danke an Schmelzer für den Hinweis auf folgenden Artikel, in dem sich Eldad Beck (hat unter anderem einen, wie ich finde sehr guten Beitrag zum Buch „Neuer-alter Judenhass“ beigesteuert) mit dem Phänomen der Nationalen Sozialisten für Israel auseinandersetzt. Ich spoile mal und nehme die Reaktion der Gesandten an der Israelischen Botschaft in Berlin, Ilan Mor, vorweg: „Gott behüte uns vor solchen Freunden! Mit unseren Feinden werden wir schon fertig. Wir brauchen die Hilfe solcher Leute nicht. Das ist völlig absurd.“

Der Artikel kann in der online Version der Zukunft, also dem Infoblatt des Zentralrats der Juden, nachgelesen werden: klick

  Listen: Wir sind Dalai Lama.   

Die ag antifa und Radio Corax hatte am Dienstag Horst Pankow („konkret“, „Bahamas“ und „Prodomo“) zum Thema „Wir sind Dalai Lama. Ein Mönch und die Bedürfnisse seiner deutschen Anhänger.“ zu Gast. Und da ich nicht hinfahren konnte, freue ich mich umso mehr, dass nun schon der Mitschnitt online ist: hier

  Read: Den Kopf für Kritik frei bekommen   

So, Urlaub, Füße hochlegen und mal den Kopf für Kritik und vieles andere frei bekommen. Also auch mal schön aufm Balkon abgammeln, Kaffee schlürfen, zuviel Rauchen und Texte lesen, die ich schon lange lesen wollte. Daher nun auch mein kleiner Lesehinweis auf ein Interview mit Roger Behrens, das in dem schicken Heft, das anlässlich von 15 Jahren Conne Island gedruckt wurde, erschienen ist. Unter dem Titel „Den Kopf für Kritik frei bekommen“ gibt es einen lesenswerten Rundumschlag zu Kultur, Subkultur, New Left und Poplinke.

[…] Gerade im Popdiskurs fehlt das Bewusstsein, dass das bürgerliche Modell von Kultur auch vollständig gescheitert sein könnte, weil es sich gewissermaßen mit der Dialektik der Aufklärung desavouiert hat. Um es drastisch auszudrücken: auch dem selbstgefälligen Kulturverständnis der Poplinken haftet der Verdacht an, nach Fünfundvierzig einfach weiterzumachen, als ob nichts passiert wäre. Adornos Diktum, dass alle Kultur nach Auschwitz Müll sei, ist hier jedenfalls nicht reflektiert worden. […]

weiter zum Text: hier

  zum Begriff der Ideologie   

[Auszug aus einer längeren Arbeit] Ideologie steht zu erst als ein Begriff eines falschen Bewusstseins, indem „[d]urch Beziehung auf Motivationszusammenhänge […] geistige Gebilde von der Erkenntnis in die gesellschaftliche Dynamik hineingezogen [werden]“1 und der Schein ihres An-sich-Seins und ihr Anspruch auf Wahrheit kritisch durchdrungen werden. Das dialektische Dilemma, das sich in der Figur des notwendig falschen Bewusstseins zeigt, ist „das dieses zwar falsches Bewusstsein, aber doch nicht nur falsch [ist]“2, sondern auch wahr sein kann. Die Unwahrheit der Ideologien stellt sich im Verhältnis zur bestehenden Wirklichkeit ein. Der Schleier, „der notwendig zwischen Gesellschaft und deren Einsicht in ihr eigenes Wesen liegt […] drückt zugleich […] auch dieses Wesen selbst aus.“3
Unter dem Anspruch, „es genüge, das Bewusstsein in Ordnung zu bringen, um die Gesellschaft in Ordnung zu bringen“4, zeigt die Ideologie, in der Apologie eines bereits problematischen gesellschaftlichen Zustandes, ihr bürgerliches Wesen.5 Oder um es mit den Worten von Günther Jakob zu sagen: „Dem Dogma zur Folge haben die kleinen Leute das Herz im Prinzip am richtigen Fleck und wenn sie trotzdem mal einen Fremden totschlagen, dann kann es sich nur um ein Verkennen ihrer eigentlichen Interessen handeln.“6 So heißt es treffend in den „Soziologische[n] Exkurse[n]“ (1991): „Ideologie ist Rechtfertigung.“7
Als Teil der bürgerlichen Gesellschaft, verliert Ideologie beziehungsweise Ideologiekritik, schon durch das unterstellen eines rationalen Motivationsmoments und der immanenten Verschlingung mit der bürgerlichen Vernunft, im Anspruch einer von Herrschaft durchdrungenen Aufklärung, den Blick auf sich selbst. In der dialektischen Annährung, die Ideologie an die Realität der Herrschaft vollzieht, ist sie „keine Hülle mehr, sondern das drohende Antlitz der Welt. [Der] eigenen Gestalt nach geht sie in Terror über.“8

  1. Soziologische Exkurse, XII – Ideologie, S. 162 [zurück]
  2. ebenda S. 175 [zurück]
  3. ebenda S. 175 [zurück]
  4. ebenda S. 168 [zurück]
  5. In Beitrag XII – Ideologie, der Soziologischen Exkurse, findet sich zum besseren Verständnis eine kritisch, historische Bestimmung des Begriffs, die auch die Ideologie selbst im Blick hat und nicht als wertfreies soziologisches Werkzeug stehen lässt. [zurück]
  6. Was ist ein Protestsong, 1996, http://www.beatpunk.org/popkritik/was-ist-ein-protestsong/ (Zugriff am 23.04.2008) [zurück]
  7. Soziologische Exkurse, XII – Ideologie, S. 168 [zurück]
  8. ebenda S. 179 [zurück]

  Anarchists for german Bedürfnisbefriedigung   

Was mir bei einer Veranstaltung in Magdeburg, wie auch beim Überfliegen dieses Artikels bei Indymedia aufgefallen ist, ist der verzerrte Kontext in denen die Gruppe Anarchists against the wall und ähliche Initiativen mit jüdischem Background in der so called deutschen Linken rezipiert werden. Es geht eben nicht um Linke, die es eben auch in anderen Ländern gibt und die auch dort aktiv sind und vor allem wie alle anderen auch, mal daneben liegen können und bei denen auch immer ihr Kontext beachtet und reflektiert gehört. Wenn sich deutsche Antizionisten jüdischen Postzionisten oder jüdischen Anarchisten ran karren, geht es eben nicht mehr um kritische Reflektion und einer Unterhaltung auf Augenhöhe, sondern wohl um Bedürfnisbefriedigung der besonderen Art. Der Eingeladene wird zum Entlastungszeugen für das eigene in Frage stellen des Existenzrechts Israels auf dem deutschem blutigen Boden; zur Bestätigung das man eben kein Antisemit ist wenn man vom „zionistischen Gebilde“ halluziniert und zionistische oder auch sekular pro-israelische Judenheiten verdammt. So muss dann auch der Jude wieder gleicher als gleich sein und darf sprechen, sofern er abschwört. Am, zum „Vorzeigejuden“ degradierten, interessiert nicht das Individuum, seine konkrete politische Einstellung oder gar die Komplexität von jewish identities (so gibt es oft kein Verständnis dafür was bsp. no-jewish jews sind), sondern das, wofür er oder sie instrumentalisiert werden kann und wird. In dieser wonnigen Wohlfühlhölle brauch man nicht mehr über Antisemitismus reden – gegen Kritik und Theorie wird das Bild eines Juden in Stellung gebracht, das eine antizionistische / antiimperealistische Linke aushalten und dulden kann um die, die auffallen, um so mehr und um so verbissener empathielos der Gewalt Preis geben zu können.

vergleichbare Artikel:
Antizionismus und psychologische Funktion
„Vorzeigejuden“? – Der Antisemiten liebste Juden

  Konferenz: Transforma Reloaded   


Bevor hier noch rumgemeckert wird , ich schriebe nur noch über Techno und so Kram, hier mal ein Verweis auf eine Konferenz die am Wochenende an der Uni in Magdeburg stattfindet. Die Transforma wird in ihrer jetzigen Form von Studierenden für Studierende organisiert und steht diesmal unter dem, für mich, kryptischen Titel: Krise der Konflikte. Vielleicht ist das ja gewollt, das Leute wie ich rumrätseln was genau denn nun Thema ist. Helfen tut da schonmal das Programm: klick

Am interessantesten finde ich bislang: „Zur gesellschaftlichen Konstruktion von Krankheiten am Beispiel der Linkshändigkeit“

  Jubeltrubel Heiterkeit   

Da will man sich an der Tanke Kippen kaufen und nein, auch hier, wie zu erwarten, keine Gnade, sprich doofe identitäre Werbejubelei im deutsch-nationalen Look. Lieber Otmar Hitzfeld, diese Werbung, siehe Bild, ist einfach unter aller Sau. Das Abbild von „Fans“, deren Gesichter ins wahnhafte entstellt und durch Tusche kontextualisiert werden, im Hintergrund, mutet an wie die Androhung einer fünften Kolonne und nicht wie eine Möglichkeit auf guten modernen Fussball, der vom Rehagel-Betonfussball (klick) (man will es ja gar nicht Taktik nennen) nichts mehr wissen will. Die Szenerie erinnert mich unweigerlich an eine Szene aus Troja, als Achilles gerade metzelnd über die Küste Spartas zieht und dieser 2,5 m Hyne beim Anblick des „Mutes“ und der „Opferbereitschaft“ der Mannen von Achilles peinlicherweise brüllt „Griechen sterben!“ und damit seine Leute auf den kommenden Kampf auf Leben und Tod einschwört (zu schön ist die Vorstellung nur eines Einzelnen der Anmerkt er habe dann doch keinen Bock mehr). Liebe Werbemacher_innen, wenn mich dieses Plakat zu diesen Assoziationen treiben soll, bitte bitte schmeißt euren Job hin. Ne Supervision oder ne Feedbackrunde wär ansonsten aber auch angebracht bis nötig.

Also während unsereins noch versucht die gegenwärtige Lage von Fanhype und publik viewings kritisch zu durchdringen, muss man sich von sowas, genau wie den penetranten Hupkonzerten nach einem, da muss man sich nichts schön lügen, miserablen Spiel gegen Östereich der deutschen National Mannschaft, die Laune verderben lassen. Dabei finde ich das entstandene Spannungsfeld durchaus interessant. Um das näher zu erläutern: Vereinzelt aber nicht als Regel, lassen sich public viewings ausmachen, die ihrem Wesen nach, wohl unbewusst – aber okay, eher einem Verständnis der diversity entsprechen und sich im Fan-sein nicht mehr auf Grundlage von Blut und Boden einschwören, sondern im Faible für die jeweilige Mannschaft. Diese, ich will es mal Organisierung nennen, ist ihrem Tenor nach viel dynamischer was die Möglichkeit der Rollenannahme und -abgabe, sprich Jux und Dallerei für eine Mannschaft. Da soll nicht heißen dass angesichts dessen das metaphorische Kriegsbeil mit Deutschland, Staat und Kapital begraben gehört, doch sollte über die spezifische Differenz nachgedacht werden um eine Kritik auch treffend formulieren zu können. Diese „Organisierung“ kontrastiert in ihrer diversity grundlegend mit einer völkisch geeichten Masse, ja sie widerspricht ihr sogar an wichtigen Punkten. Wenn also das Deutsche Nationalmannschaft-Fan-Sein nicht mehr aus abstrusen Vorstellungen der Natürlichkeit, sondern aus eher einem abstrakten Angebot entspringt, muss sich die Kritik ändern. Die oben genannten Widerwärtigkeiten sollte man aber bitte nicht aus den Augen verlieren. Wie gesagt, ich betrachte das als Spannungsfeld und das sind erste Überlegungen. Für Kritik bin ich daher offen wie dankbar.

  Conversations with History: Seyla Benhabib   


Nach einer nächtlichen Youtube Session die mit viel Pathos, Britpop und Comedie so einiges an Kurzweile geboten hat, nun mal die andere Seite von Youtube: pure information

Seyla Benhabib im Interview.

  Dokumentation der Iran-Konferenz „Business as usual?“   

Für alle die die Konferenz „Business as usual? Das iranische Regime, der Heilige Krieg gegen Israel und den Westen und die deutsche Reaktion“ des Mideast Freedom Forum verpasst haben oder einfach für alle die nochmal die einzelnen Beiträge hören wollen, wurde nun eine umfassende Dokumentation bereit gestellt, die alle Vorträge in deutsch und englisch als mp3 umfasst.

Die Dokumentation ist hier zu finden:
http://www.mideastfreedomforum.org/de/node/63

Hier als Vorgeschmack der Beitrag „Freiheit, Säkularisierung, Demokratie – Für einen neuen Nahen Osten“ von Thomas von der Osten-Sacken aus dem letzten Panel „Die Notwendigkeit eines neuen Antifaschismus“. Polemisch und pathosgeladen und sehr offencive.

  Antizionismus und psychologische Funktion   

>>Antizionismus< < bot sich in diesem moralischen Dilemma als Zauberformel an, mit der sich Kritik an der Besatzungsmacht Israel üben und zugleich Distanz zu den antisemitischen Feinden Israels wahren ließ. Die antizionistische Selbststilisierung dokumentiert ein Bedürfnis nach Weltanschauung, die von der Wirklichkeit in Geschichte und Gegenward unabhängig macht. Die Flucht in die Weltanschauung erspart die Auseinandersetzung mit einer widersprüchlichen Realität, die nicht in Dualismen wie Gut und Böse, Täter und Opfer und ähnliche Schemata aufgeht. Diese Einteilungen entsprechen psychologischen Strukturen, die es erleichtern, mit Schuld umzugehen. Tatsächlich geht es im antizionistischen Diskurs weniger um die konkrete Palästina-Problematik als um Umgang mit Schuld. Sonst bedürfte man der weltanschaulichen Überhöhung nicht. Wenn man das erkenntnisverzerrende Verhältnis von Anklage und Apologetik verlassen will, muss man der Genesis des Schuldgefühls nachgehen. Zu Recht werden in der Öffentlichkeit Geschichtslosigkeit und moralische Selbstgefälligkeit der antizionistischen Weltanschauung angegriffen.

Claussen, Detlev (1992) Versuch über den Antizionismus. Ein Rückblick. in Antisemitimus. Geschichte, Interessenstruktur, Aktualität. Hentges Gudrun, Kempfert Guy und Reinhard Kühnl (Hg.)(1995) Heilbron: Distel Verlag

Sehr interessanter Beitrag in dem Claussen neben psychologischen Aspekten des Antizionismus auch eine geschichtliche Reflektion über Entstehung, politische Funktionen und der Rolle im Verhältnis der Linken zur Vergangenheit und Gegenwart darstellt. worth reading

  Kritik versus Realpolitik? – Die Zukunft der Israelsolidarität   

Ist die Kampagnenpolitik Ausdruck des Niedergangs der Israelsolidarität oder ihre Reproduktion auf einer höheren Stufe? Löst sich die Israelsolidarität im Rahmen der aktuellen Kampagnenpolitik von der Kritik? Verwandelt sich Deutsch-Europa also vom Gegenstand der Kritik in einen positiven Ansprechpartner? Ist die israelsolidarische Politikberatung nach dem Liberalismus das nächste Ticket für den Marsch in die „Mitte der Gesellschaft“? Oder wird es angesichts der existenzbedrohenden Situation, in der sich Israel befindet, nicht tatsächlich Zeit, Kompromisse zu machen und sich in die Realpolitik einzumischen?1

Das fragen sich neben vielen anderen Leuten Auch Stephan Grigat (ça ira, stop the bomb-kampagne) und Justus Wertmüller (Bahamas) ganz öffentlich am 16. Juni 2008 ab 19 Uhr in Halle (Saale) im Melanchthonianum (Uni). Ein verbaler Kampf auf Kritik und Praxis. Veranstaltet wird das Ganze von der ag antifa im StuRa.

  1. Aus dem Ankündigungstext [zurück]

  wertkritischer Vortragsreihe   

Am Donnerstag startete die „wertkritische Vortragsreihe“ der frisch gegründeten AG Gesellschaftskritik an der Uni Magdeburg. Erklärtes Ziel der Reihe ist laut Veranstaltungstext: „Wir haben […] nichts Geringeres vor, als Verrücktes zu erklären. „ Eingeladen für diese Vorhaben wurden die Exit!-Redakteur_innen Martin Dornis und Micha Böhme, die zusammen die drei geplanten Veranstaltungen bestreiten werden.

In der ersten Veranstaltung ging es darum einige Grundbegriffe und Kategorien von Marx zu klären und der Frage nachzugehen inwieweit zwischen Wert, warenförmig vermittelter Gesellschaft und Patriachiat Zusammenhänge bestehen. Mir persönlich wurde „etwas“ zuviel aus dem Wert hergeleitet. Ja gut, war eben Wertkritik aber irgendwie ist die gesellschaftliche Genese in der Argumentation auf den Markt zusammengeschrumpft, was ich doch sehr fragwürdig fand. Die Erklärungen zu den marxschen Kategorien hatte ich leider verpasst und konnte mich dann nur noch an einigen Leuten ergötzen die Adorno als Sekundärliteratur beschimpften und daran verzweifelten das dort niemand eine Praxis predigte. Die Diskussion war dann ganz schön anstrengend – viel Zwischenrufe und irgendwie total durcheinander so das ich auch nach einer halbe Stunde warten keine Reaktion auf meinen Einwand bekommen hatte. Naja bin gespannt auf die nächsten Termine:

2.Veranstaltung: Die gewaltförmige Subjektbildung
Termin: Donnerstag, 12.06., 19 Uhr

Wie beschreibt die Psychoanalyse Freuds die Subjektbildung und was kann dies für Gesellschaftskritik bedeuten? Freud als Theoretiker der gewaltförmigen Subjektbildung übte selber Gewalt aus, indem er die Frau als negativen Abstoßungspunkt für die Beschreibung der männlichen Subjektbildung nutzte. Eine Auseinandersetzung mit Freuds Weiblichkeitsbild zeigt, dass seine Konzeption vom Subjekt eines weiteren Aufklärungsvorgangs bedarf. Freud kann hier exemplarisch für die Aufklärung stehen.

3. Veranstaltung: Was ist Ideologie?
Termin: Donnerstag, 03.07., 19 Uhr

Die kapitalistische Gesellschaft ist untrennbar mit Ideologien verbunden, die ihr Wesen zugleich offenbaren und verschleiern. Gesellschaftskritik muss daher immer auch Ideologiekritik sein. Aber einige Ideologien, wie der Rassismus, der Sexismus und der Antisemitismus, rechtfertigen nicht nur diese Gesellschaft, sondern entfalten darüber hinaus ein Gewaltpotential, welche den normalen Kapitalismus bei weitem übersteigt. Wie kann in Anbetracht dessen eine angemessene Ideologiekritik aussehen?

  Sprachlos am Zaun   

Die Zeit veröffentlicht derzeit verschiedene „Essays, Reportagen und Interviews sowie Archivtexte von Zeitzeugen der Geschichte dieses Landes“1 zum Thema 60 Jahre Israel. Neben vielen anderen interessanten Beiträgen möchte ich den text Sprachlos am Zaun von Dan Diner empfehlen: klick

  1. http://www.zeit.de/themen/international/nahost/israel-60-jahre [zurück]

  Back From Mideast freedom forum   

Business as usual? hieß die Große Frage am Wochenende in Berlin auf der Konferenz des Middleeast Freedom Forum Berlin zum thema: „Das iranische Regime, der Heilige Krieg gegen Israel und den Westen und die deutsche Reaktion“. Ich muss sagen ich bin reichlich geschafft. Gerade der Samstag hatte es mit seinen vier Panels wirklich in sich. Zu sagen es war schön, würde wohl die Brisanz des Themas ins Absurde treiben. Die einzelnen Panels, sowie die Zusammensetzung des jeweiligen Podiums fand ich jedenfalls sehr gut durchdacht und im Gesamtaufbau sehr schlüssig. Was bleibt, ist wohl die leise Hoffnung das dem Thema mehr Gehör verschafft werden konnte und gerade die Appelle des letzten Panels zur Notwendigkeit eines neuen Antifaschismus nicht folgenlos bleiben.

Sehr passend zum Kongress bzw. Kongressthema finde ich den Beitrag bei nichtidentisches zum Buch von Stephan Grigat und Dinah Hartmann, „Der Iran – Analyse einer islamischen Dikatur und ihrer europäischen Förderer“ in dem es am Ende sehr treffen heißt:

Ein solches Werk ist kaum nach Stil und Form zu beurteilen. Das würde den brisanten politischen Kontext zum Diminutiv degradieren. Lobende Worte über den in der Tat hervorragenden Stil, die nachvollziehbare Vielfalt und die ausgezeichnet abgestimmte Kohärenz der Beiträge können angesichts der Thematik nur Floskel bleiben. Als kritisch-theoretisches Unterfangen ist die Lektüre untrennbar vermittelt mit Praxis: das lesende Individuum wird gezwungen, sich zu dieser real existente Drohung zu verhalten. Entweder, indem es sich irgend gegen sie engagiert und positioniert. Oder indem es sich in untätigem Verharren oder Leugnen einrichtet und damit Kollaboration mit dem größten derzeit geplanten Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht.

  Battle Rap aus Halle?   

Die neue bonjour tristesse ist da und beinahe hätt ich ja folgenden Beitrag zur lokalen Antifa-Connection überlesen. Liegt irgendwo zwischen Mitleid und Aversion. Da es anscheinend eh nicht darum geht Argumente auszutauschen, spar ich mir das dann auch einfach und belasse es beim affront im Beitragstitel.

It must be love
Was macht man mit jemandem, der einen permanent bedroht und auch nicht vor Mordaufrufen zurückschreckt? Man bietet ihm die Zusammenarbeit an. Das klingt bescheuert? Richtig. Aber offensichtlich nicht bescheuert genug für Magdeburg. Der Reihe nach: Die Betreiber des „Antifaschistischen Info-Portals“ (AIP), eines kleinen antifaschistischen Projektes aus Magdeburg, werden seit gut zwei Jahren von Mitgliedern der „Autonomen Antifa Magdeburg“ (AAMD) und der „Gruppe Internationale Solidarität“ (GIS) terrorisiert: Ihre Autos werden zerstört, es werden Mordaufrufe verbreitet, Veranstaltungen mit Pflastersteinen und Reizgas angegriffen usw. Als Neonazis aus Anlass des 16. Januars, des Jahrestages der Bombardierung Magdeburgs, einen Aufmarsch in der Elbestadt ankündigten, bereiteten das AIP, die AAMD und die GIS zwar zwei getrennte Gegendemonstrationen vor. Das AIP entblödete sich jedoch nicht, diejenigen, von denen es permanent schikaniert wird – und die sich in ihrem Demoaufruf darüber hinaus im Stil der Nazis über das alliierte Bombardement im Zweiten Weltkrieg empören –, eine Zusammenarbeit im Ermittlungsausschuss (EA) vorzuschlagen. (Für diejenigen, die nicht mit den Gepflogenheiten linker Demonstrationen vertraut sind: Der Ermittlungsausschuss kümmert sich bei Demonstrationen um die Verhafteten, besorgt ihnen Anwälte usw.) Dieses Vorgehen gleicht dem Verhalten eines unglücklichen Verliebten: Er wird permanent zurückgewiesen, gedemütigt und gequält, kann sein Buhlen, Betteln und Werben aber trotzdem nicht einstellen.
(mehr…)