Archiv der Kategorie 'diskurs'

  Eine Insel und ihre Unterstützer   


Foto: Indymedia

Das Bündnis 8. Juli hatte – Achtung Überraschung – für den 8. Juli nach Insel, einem kleinen Nest in Sachsen-Anhalt, geladen. Die Vorgeschichte in Kürze und mit Würze: Im Herbst 2010 werden zwei Sexualstraftäter nach 20 Jahren Haft entlassen. 2011 ziehen beiden, nach Wohnungsvermittlung aus Freibung, nach Insel. Im August 2011 gibt der Oberbürgermeister bei der Einwohnerversammlung „Vergewaltiger in unserem Dorf“ die Vergangenheit der Männer bekannt. Es folgen Drohungen an Vermieter und Vermittler der Wohnung. Im September beginnen dann Proteste vor dem Haus der beiden Männer. Im Oktober fühlen sich dann auch lokale Nazis berufen, sich an den Protesten zu beteiligen. Auch Oktober: Das Ganze wird geduldet. Ein Reigen von Briefen und Stellungnahmen beginnt. Oft wird dabei „Verständnis für die Sorgen und Ängste der Inselner“ betont. Mai 2012: Einer der beiden Männer hält die Situation nicht mehr aus und zieht nach Chemnitz. Nachdem die Bild den „Sexgangster“ entlarvt – offenbar durch Informationen aus Insel – zieht dieser zurück. Am darauf folgendem Freitag versuchen rund 50 Menschen das Haus der beiden zu stürmen. Es dürfte eine Premiere gewesen sein: Der Landtag des Landes ruft zu einer Kundgebung für Menschenrechte in Insel auf. Parallel zur Veranstaltung werden sich viele Insulaner auf einer anderen Veranstaltung befinden. Hier wird der Oberbürgermeister dazu aufrufen, dieser Kundgebung nicht beizuwohnen. An der Kundgebung beteiligen sich rund 70 Abgeordnete. Nun sind wir auch schon bei der Demo an gelang. Etwas detaillierter kann man den Verlauf hier nachlesen.


Foto: Indymedia

„Es kommt die Zeit, in der die Uchte wieder steigt“

„“Ihr seid nur Wendeverlierer“, heißt es und: „Leute lasst das Glotzen sein, schließt euch in der Scheune ein.“ Aus dem Lautsprecherwagen kommt die zum Motto passende Musik: „Perfekte Welle“ und „Eine Insel mit zwei Bergen“.“ berichtet die Lokalzeitung Volksstimme in einem Artikel am 9.7. und wirkt dabei wenig aufgeregt. Teile der so genannten lokalen Linke-Szene findet die Demo allerdings weder witzig noch dufte. Unter dem Titel „Sachsen-Anhalt: Gegen reaktionäre Strukturen!“ macht man auf dem Qualitätsmedium Indymedia gegen die Demo und ihre Veranstalter mobil. Und damit man richtig richtig richtig ordentlich betont, wie sehr sehr sehr man dagegengegengegen ist, garniert man den eh halbgaren Post mit dem obigen Bild. Das Ganze zeigt wohl das verbrannte Fronttransparent des Bündnis. Ob das nun Fake ist oder nicht: Der Grad an Idiotie dahinter ist real real rewe real.

„Wir wünschen euch, dass ihr euch bald wieder über zu laute Rasenmähergeräusche, zu hohe Hecken und blöde Blicke beim Dorffest streiten könnt“, heißt es in der Abschlussansprache der AG „No Tears for Krauts“ (1)

Auf der Mobi-Page des Bündnisses kann man nach der Demo folgendes lesen: „Wir bedanken uns auf diesem Weg noch einmal herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie denjenigen Einwohnern von Insel, die unserem Anliegen, wie in Gesprächen am Rande der Demonstration und in E-Mails zum Ausdruck kam, wohlwollend gegenüberstanden. Dank gilt also denen, die verstanden haben, dass sich unsere Demonstration nicht ausnahmslos gegen alle Einwohner des Ortes gerichtet hat, sondern gegen das dominante Verfolgerkollektiv, seine Unterstützer und Aufstachler. Wir solidarisieren uns, wie die AG „no tears for krauts“ in ihrem Redebeitrag auf der Abschlusskundgebung noch einmal passenderweise erklärt hat, ausdrücklich mit den Opfern des Volkszorns sowie denen, die sich nicht an der Hatz auf die beiden Männer beteiligen – und die dafür teilweise Angriffen vonseiten der Dorfgemeinschaft ausgesetzt sind.“

Die Verfasser/innen des gloreich schlechten Indymedia übersetzen: „Gegenstand der „Kritik“ ist – mal wieder – der sogenannte stereotype „Volksmob“. Dieselbe Gruppe, die Neonazis ungestört marschieren lässt und gleichzeitig Party-Demonstrationen durch Halle unter dem Titel „Provinzflucht“ organisiert, solidarisiert sich nun offen und undifferenziert mit Sexualstraftätern“ und darum “ […] haben wir in den vergangenen Tagen das Fronttransparent für die morgige Demonstration in Insel entwendet und vernichtet. Für uns als Teil der radikalen Linken war und ist dieser Schritt notwendig geworden um den anhaltenden reaktionären Tendenzen dieser Personen und Gruppen auch symbolisch entgegenzuwirken.“

Auf linksunten wirft sich die aarmd in die „Diskussion“. Nachdem man auch hier betont hat, wie blöd das 8. Juli Bündnis ist, schwingt man sich auf zu neuen Aufgaben: „Wir erwarten von der Bürgerinitiative in Insel Einsicht in die Erkenntnis, dass die Angst vor sexualisierter Gewalt legitim ist, aber diese beiden Männer lediglich die Zielscheibe rechtspopulistischer Themenführung geworden sind und dabei das geringste Gefährdungspotenzial in Insel, in der Altmark und wahrscheinlich in ganz Sachsen-Anhalt bieten.“

Ich sage mal: Frohes Warten!

Während man sich also fleißig am Bündnis abarbeitet, dazu deren Aussagen verkürzt, andere Gruppen gegen das Bündnis instrumentalisiert und die „legitimen Ängste“ aus der Mottenkiste holt, fragt man sich, für wen das ganze Theater abseits der eigenen Profilierung gut sein soll. Von folgendem Vorfall erfährt man dann bei der großen „Mehr Verständnis im Handgemenge“-Aktion irgendwie nichts (das Bündnis ausgenommen).

„Ingo S. wohnt im Haus gegenüber den beiden Männern und erträgt die Vuvuzelas der Demonstranten nicht mehr. »Die haben alle vergessen, was wir uns 89 erkämpft haben«, sagt er. Seine Stieftochter ist vor Jahren von einem Jungen aus der Nachbarschaft vergewaltigt worden. Wenn einer gegen die Sexualstraftäter von gegenüber kämpfen müsste, dann doch er. Ingo S. aber sagt, die Männer hätten die gleichen Grundrechte wie alle anderen.“ (2)


(1) Zitiert nach oben genannten Volksstimme Artikel
(2) Zeit Online

  Infoveranstaltung: Kein Dialog mit dem Inseler Mob   

Morjen im Café Central Magdeburg.

Ankündigungstext (via no volksmob): Seit etwa einem Jahr finden sich in Insel, einem Dorf im nördlichen Sachsen-Anhalt, regelmäßig die Bewohner zusammen, um zwei in den 1980er Jahren wegen Vergewaltigung verurteilte und 2010 aus der Sicherungsverwahrung entlassene Männer aus dem Ort zu vertreiben.
Der Mob institutionalisierte sich zur obligatorischen Bürgerinitiative, um als Erpresserbande an den nicht existenten Verhandlungstisch zu gelangen und das Wie und vor allem Wann der Vertreibung zu kommunizieren. Die Landespolitik zeigte sich zunächst unbeeindruckt.
Da sich nach einigen Wochen noch kein Erfolg einstellen wollte, suchte man im Oktober 2011 den offenen Schulterschluss zu den Neonazis. Das Kalkül schien aufzugehen. Allerorts wurde Empörung laut. Von der Landesregierung über die Zivilgesellschaft bis zur Antifa wurde sich nun- in Anerkennung der „legitimen Ängste“ und „berechtigten Sorgen“ der Dorfbevölkerung- gegen die „undemokratischen“ Nazis positioniert. Innenminister Stahlknecht startete darauf eine Initiative zum „einvernehmlichen“ Wegzug der beiden Männer, was wiederum kaum Kritik nach sich zog.
So verging kaum eine Woche in der nicht der wütende Mob das Haus der beiden Männer belagerte und seine Verteibungs- und Vernichtungsphantasien lauthals heraus schrie. Die wenigen Dorfbewohner, die dem Mob distanziert gegenüber stehen, werden seitdem verachtet und ausgegrenzt.
Einer der beiden permanent Bedrohten verließ Ende Mai das Dorf, flüchtete aber nach kurzer Zeit aufgrund von Protesten und einer Medienkampagne an seinem neuen Wohnort zurück nach Insel.
Vorläufiger Höhepunkt des Treibens war die versuchte Erstürmung des Hauses der beiden Männer durch eine 50-köpfige, zum Lynchen bereitwillige Meute am 1. Juni 2012.

Der Vortrag möchte zeigen, dass die Geschehnisse in Insel in der Form keinen Einzelfall darstellen und für die nähere Zukunft, nach dem Verbot der nachträglichen Sicherungsverwahrung, der Auftakt für weitere Kampagnen und Vernetzungen gegen ehemalige Sicherungsverwahrte sein könnten. Des weiteren soll dargelegt werden was es mit den „legitimen Ängsten“ auf sich hat, dass es entgegen der Verlautbarungen bei der anhaltenden Täterfixierung des Mobs nicht um Opferschutz gehen kann und warum Dorfgemeinschaft und Neonazis so gut zusammen passen.

Im Anschluss an den Vortrag wird es noch einige Informationen zur am 08. Juli geplanten Demonstration „Insel fluten“ geben.“
Tag: Donnerstag den 5.07.2012
Beginn: 19Uhr
Ort: Cafe Central, Leibnizstraße 34

  Bekennervideo des APK aufgetaucht   

Vor 20 Jahren wurde der Gute Geschmack Magdeburgs entführt. Nun ist ein Bekennervideo aufgetaucht!

Urbanpiraten gehen ab!

  20.05. | Vortrag: „Permanenz der Krise – Zur Aktualität Marxscher Ökonomiekritik“ Referent: Michael Heinrich   

Und weil die Inhalte nicht zu kurz kommen sollen, noch etwas marxsche Kritik oben drauf :)

Vortrag: „Permanenz der Krise – Zur Aktualität Marxscher Ökonomiekritik“
Referent: Michael Heinrich

Donnerstag, 20. Mai, 19 Uhr
Gebäude 22 A – Raum 20
Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
Uni Magdeburg

Als im September 2008 die Bank Lehman Brothers Insolvenz anmelden musste, begann die Diskussion um die Frage, ob, wie und in welcher Form mit Hilfe staatlicher Eingriffe einzelne Unternehmen und Banken gerettet werden sollen. Dafür wurden abwechselnd neoklassische und keynesianische Auffassungen zur Analyse der Ursachen und Wirksamkeit von Maßnahmen bemüht.
Michael Heinrich, Mitglied in der Redaktion von „PROKLA Zeitschrift für kritische Sozialforschung“ zeigt in seinem Vortrag die Defizite der beiden ökonomischen Theorien im Zusammenhang mit der Finanzkrise auf und skizziert, wie sich die Finanzkrise aus einer an Marx orientierten Perspektive analysieren lässt. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe „Wissenschaft im Austausch – faculties getting connected“ des Studierendenrats der Otto-von-Guericke Universität statt.

„Permanenz der Krise – Zur Aktualität Marxscher Ökonomiekritik“ ist eine Veranstaltung des Studierendenrates aus der Reihe: „Wissenschaft im Austausch – faculties getting connected“.

  Mitschnitt: Stephan Grigat zur Kritik der Nation   

Am Vatertag a.k.a. Herrentag aufgenommen und pünktlich an dem Tag verfügbar, an dem sich die BRD zum 60jährigen selbst auf die Schulter klopft: Der Mitschnitt zur Veranstaltung „Kritik der Nation“ mit Stephan Grigat.

Get it here: klick

  Terminhinweis: 21.05.09 Vortrag von Stephan Grigat zur Kritik der Nation   

Vortrag von Stephan Grigat
21.05.09 / 19 UHR
Uni-Magdeburg
FGSE / Gebäude 40

Raum ist vor Ort ausgeschrieben

Im Vortrag soll es nicht nur um eine Kritik des Nationalismus als unumwundener Identifikation mit dem je eigenen Staat gehen. Stephan Grigat wird vor allem zeigen, dass neben Antisemitismus und Rassismus als Basisideologien nationaler Vergesellschaftung, vor allem die Nation als konkreter Fetisch selbst Gegenstand der Kritik sein muss.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter am Wiener Institut für Politikwissenschaft, arbeitet als Freier Autor, ist Mitinitiator der Kampagne „Stop the Bomb“ gegen das Iranische Atomprogramm und Mitherausgeber des Buches „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“.

Eine Veranstaltung der AG Emanzipative AntifaschistInnen in Zusammenarbeit mit dem Hochschulpolitischen Referat des Studierendenrats der OvGU

(via agea)

  Mitmachen wollte ich nie   

Leo Löwenthals autobiographisches Gespräch mit Helmut Dubiel im Buch „Mitmachen wollte ich nie“ begeistert mich gerade sehr. Löwentahl reflektiert oft sehr beeindruckend über sein Leben und verschiedene gesellschaftliche Erfahrungen. Auch ist Löwenthal nicht um die ein oder andere bissige Polemik verlegen, wie im folgenden Auszug zum Thema Antisemitismus:

Ich halte den Antisemitismus für eine pervertierte und verdrängte Form der Utopie. Die Juden stellen etwas dar, was man auch so gern wäre. Gehen wir einmal die Topoi der antisemitischen Vorurteile durch: […] die Juden leben davon, daß sie andere Leute ausbeuten, das heißt, sie wollen selber nicht richtig arbeiten. Nun, wenn du so willst, bezieht sich das auf die Abschaffung schwerer körperlicher Arbeit. […] [D]ie Juden lieben den Luxus, sie sind lüstern, sie essen gern, sie machen sich breit in den Kurorten und Sommerfrischen, sie sind laut, sie sind expressiv. All diese den Juden zugeschriebenen Verhaltenseigentümlichkeiten kann man unter dem Begriff einer hedonistischen Lebensweise zusammenfassen. Die Juden tun Dinge, die verboten sind. Keiner weiß genau, was sie eigentlich tun. Sie schlachten die kleinen Christenkinder, vergewaltigen die Christenmädchen, sie essen gern saure Gurken, sie essen koscher, sie haben irgendwelche Feiertage, bei denen man nicht recht weiß, was geschieht, sie tragen diese komische Thora herum, sie errichten Laubhütten, sie blasen eine Trompete … Kurzum, die Juden wissen etwas vom Leben, das mehr ist als das Alltagsleben, und sie wissen um diesen ganzen Komplex des ungehinderten Genusses, des Sich-Auslebens, eine Freiheit, für die man nicht fortwährend zahlen muß, die offensichtliche Nichtnotwendigkeit, sich ständig mit der Natur auseinandersetzen zu müssen […]1

  1. Löwenthal, Leo: Mitmachen wollte ich nie. Ein autobiographisches Gespräch mit Helmut Dubiel. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1980 [zurück]

  AGEA: Mitschnitt zu „Turning a dream into a nightmare?“ online   

Der Mitschnitt der Veranstaltung „Turning a dream into a nightmare?“ vom 09. Dezember 2008 ist nun über die Seite der AG Emanzipative AntifaschistInnen zu bekommen. Im Vortrag referiert der Geschäftsführer von Wadi. e.V., Thomas von der Osten-Sacken, anlässlich des sechzigsten Jahrestages der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte, über den Widersprüchlen Charakter der Menschenrechte, sowie das theoretische Dilemma in dem dadurch Institutionen wie die UN stecken.

Aus der Ankündigung:
„Die Erklärung war das Versprechen an die Zukunft, dass Ähnliches nie wieder einem Menschen widerfahren müsse. So formulierten die Stichwortgeber wie John Humphrey, Charles Malik, René Cassin, Peng-chun Chang oder Eleanor Roosevelt einen Traum einer Welt, in der die angeborene „Würde und [die] gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt [bilden].“
Heute, 60 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, muss angesichts zahlreicher Menschenrechtsverletzungen – sei es beispielsweise das rigide und brutale Vorgehen Chinas gegen Oppositionelle, der Genocid in Darfur oder die ständige Vernichtungsdrohung des Iran gegen den Staat der Shoa-Überlebenden, Israel – gefragt werden, inwieweit dieser formulierte Anspruch der Vereinten Nationen noch ernst genommen werden kann.“

den Mitschnitt gibt es hier: klick

  Ich gebe hier mein Zeugnis ab   

So ich wurde gebeten den folgenden Artikel (via) mal zu posten. Das mach ich doch gerne :)

Ich gebe hier mein Zeugnis ab

Bernhard-Henri Levy

24. Januar 2009 Yovan Diskin ist der Chef des mystischen und gefürchteten israelischen Inlandsgeheimdiensts Shin Bet. Soweit ich weiß, hat er sich noch nie geäußert, jedenfalls nicht seit Kriegsbeginn.

Er ist um die vierzig, er ist groß, massiv. Eine militärische Statur, zu der die Jeans, das T-Shirt und Turnschuhe gar nicht recht passen wollen. Wir treffen uns im Morgengrauen. Sein Büro im Norden Tel Avivs wirkt mit diesen breiten Schießscharten wie ein Bunker.

„All das wegen Sderot?“, eröffne ich unser Gespräch. „Diese Sintflut aus Flammen, die Opfer, alles, um die Raketen auf Sderot und die anderen Städte und Kibbuzim im Süden zu stoppen?“

„Ja, natürlich“ antwortet er gereizt, „Kein Staat der Welt kann es tolerieren, täglich Geschosse auf die Köpfe seiner Bürger niedergehen zu sehen.“

Und weil ich gleich sage, dass ich das weiß und dass ich jeden Israel-Besuch in Sderot beginne, aus Prinzip und aus Solidarität, und weiter sage, dass es doch andere Wege gegeben haben muss zu verhandeln, um zu verhindern, dass es so weit kommen musste, da zuckt er komisch mit den Schultern und schlägt den Ton dessen an, der, weil es wohl unbedingt sein muss, nun in die Erläuterung der technischen Details einsteigt.

weiter gehts hier oder auch hier

  Warum Adorno-Schüler Jazz und Pop so sehr mögen   

Das neue Exrablatt ist ja endlich erschienen und wartet mit dem zweiten Teil von Gerhard Scheits „Roll Over Adorno? – Kleine Musikgeschichte des Fordismus“ auf. Beide Teile sind nun auch online verfügbar und empfehle ich gern weiter. Zur Einstimmung hier mal das „Intro“.

Warum Adorno-Schüler Jazz und Pop so sehr mögen

Eine der Anekdoten Eckhard Henscheids über die Helden der Frankfurter Schule handelt von Prof. Adornos Verhältnis zur populären Musik: »Immer wieder und herb kritisierte Adorno in Buch und Gespräch die Jazzmusik. Ein Student fragte ihn, ob dies Verdikt auch für die neue Popmusik gelte, für die Beatles z.B. Adorno schwieg zuerst und dachte sehr lange nach. Erst auf die nochmalige dringliche Anfrage, ob seiner Meinung nach die Beatles auch schlecht seien, antwortete er langsam: ›Ja, die auch.‹«1 Tatsächlich bedeutete das Jazz-Verdikt Adornos für die nachfolgende Generation der Adorno-Schüler und -Leser oftmals ein Problem, da nicht wenige Jazz- oder Rock-Fans darunter waren, die vielleicht sogar nebenher in einer Band spielten – und ausgerechnet der Meister der Negativen Dialektik sollte ihnen diesen Rhythmus verderben, bei dem sie vor lauter Negativität Arme und Beine förmlich zucken spürten? Wer gewieft genug war, machte aus dieser seelischen oder sogar körperlichen Not eine akademische Tugend und erwarb seine wissenschaftlichen Meriten über das Thema, warum Prof. Adorno den Jazz oder die Beatles nicht leiden konnte, stellte den Professor vom Kopf aufs Tanzbein und fand heraus, dass dieser den wirklichen Jazz oder den wirklichen Rock gar nicht kennen konnte, weil er eben nicht zuletzt ein Bildungsbürger war, und dass darum für Produkte der Kulturindustrie dasselbe oder etwas Ähnliches oder etwas Vergleichbares gelten müsse, wie für jene Kunstwerke, die Adorno favorisiert habe, zumal die Kunstautonomie ohnehin abgestorben sei etc.

Aber es ist seltsam: Adorno lässt sich nicht verjazzen, die Negative Dialektik nicht einmal rappen. Die Differenz zwischen U- und E-Musik ist mehr als die Grenze zwischen zwei Marktsegmenten – sie hat in der Produktion ihren Sitz, und bis dorthin reicht die beschwingte Adorno-Kritik der akademischen Vatermörder meist nicht. Wenn es aber über das ausgeleierte Thema autonome Kunst versus kulturindustriellen Pop, Atonal-Seriell-Minimal versus Jazz-Rock-Rap, noch irgendetwas zu sagen gibt, dann vielleicht im Zusammenhang mit der Durchsetzung abstrakter Arbeit als universaler Kategorie der Gesellschaft – Kunstautonomie und Kulturindustrie erscheinen als die beiden ästhetischen Seiten dieser Durchsetzung. Und bei Adorno, der im Unterschied zu den meisten seiner verjazzten und poppigen Kritiker noch einen Begriff von Wertkritik – als Kritik der abstrakten Arbeit – hatte, ist gerade dieser Zusammenhang etwas verdeckt, aber vorhanden. Ihn ein wenig ans Licht zu bringen, versuchen die folgenden Überlegungen.

Weiter: Teil 1 | Teil 2

  Terminhinweis: Turning A Dream Into A Nightmare?   

09. Dezember 2008 // 19:00 Uhr
Uni-Gebäude 40 Raum 327
Referent: Thomas von der Osten-Sacken

Als die Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedeten, war der Zivilisationsbruch und der Rückfall in die Barbarei bereits keine finstere Drohung mehr, sondern durch die nationalsozialistische Kriegs- und Vernichtungsmaschinerie zur gesellschaftsgeschichtlichen Realität geworden.

Die Erklärung war das Versprechen an die Zukunft, dass Ähnliches nie wieder einem Menschen widerfahren müsse. So formulierten die Stichwortgeber wie John Humphrey, Charles Malik, René Cassin, Peng-chun Chang oder Eleanor Roosevelt einen Traum einer Welt, in der die angeborene „Würde und [die] gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt [bilden].“

Heute, 60 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, muss angesichts zahlreicher Menschenrechtsverletzungen – sei es beispielsweise das rigide und brutale Vorgehen Chinas gegen Oppositionelle, der Genocid in Darfur oder die ständige Vernichtungsdrohung des Iran gegen den Staat der Shoa-Überlebenden, Israel – gefragt werden, inwieweit dieser formulierte Anspruch der Vereinten Nationen noch ernst genommen werden kann. Weitere Beispiele zu finden, fällt leider nicht schwer.

In seinem Vortrag wird Thomas von der Osten-Sacken zum Anspruch, Realität und Grenzen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sprechen und danach im Rahmen einer Diskussion für weitere Fragen zur Verfügung stehen.

Referent: Thomas von der Osten-Sacken
Thomas von der Osten-Sacken ist Geschäftführer der im Nahen Osten tätigen Hilfsorganisation Wadi e.V.. Zu den Arbeitsschwerpunkten der Hilfsorganisation gehören Aktivitäten gegen alle Formen der Gewalt gegen Frauen, Demokratisierungsprojekte, Jugendbildung- und Ausbildung, Basisgesundheitsversorgung, Rechtsberatungen etc.. Thomas von der Osten Sacken arbeitet darüber hinaus als Journalist für verschiedene Zeitschriften und wird unter anderem zum Thema Naher Osten und Menschenrechte als eine der führenden Autoritäten angesehen. Er ist Mitherausgeber des Buches “Saddam Husseins letztes Gefecht?”.

(via)

  Doku: Die Herrschaft der Kolportage – Ein neo-stalinistischer Putsch gegen die linke Gegenöffentlichkeit   

Wenn es schon im Posteingang liegt, dann will ich es auch gern posten. Zwar kann man darüber diskutieren warum ca ira auf diese Messe will – also Motivation und so aber wenn sie ausgeschlossen werden, ist das ja ein übergeholfene Maßnahme deren ausgelöste Reaktionen ich gern eine öffentlichkeit biete. In diesem Sinne: man steigt auch nicht mehr aus – man wird ausgestiegen (na von wem isses?)

Presseerklärung des ça ira-Verlags und der AG Kritische Theorie
zum Ausschluß aus der Linken Literaturmesse Nürnberg am 16. 11. 2008

Seit vielen Jahren nimmt der ça ira-Verlag an der seit 1996 in Nürnberg stattfindenden Linken Literaturmesse teil, die vom Metroproletan-Archiv und dem Gostenhofener Literatur- und Kulturverein Libresso im „K4″ ausgerichtet wird, in diesem November unter dem Motto „Alternativ zum kapitalistischen Mainstream“. In einer recht gut besuchten Diskussionsveranstaltung präsentierte Fabian Kettner den Sammelband „Theorie als Kritik“,
den er mit Paul Mentz (beide Rote Ruhr-Uni, Bochum) herausgegeben hat; im letzten Jahr stellten Joachim Bruhn und Jan Gerber das Buch „Rote Armee Fiktion“ vor.

Bis 2007 wurde der ça ira-Verlag von der Mehrheit der ca. fünfzig Aussteller zwar nicht gerade heiß und innig geliebt, aber zumindest geduldet – und mehr war wohl auch nie zu erwarten, vertritt doch unser Verlagsprogramm mit Autoren wie Johannes Agnoli, Hans-Georg Backhaus und Moishe Postone eine subversive Kritik in der Tradition der Kritischen Theorie Frankfurter Machart, d.h. den Versuch der Synthese einer avantgardistischen Marx-Lektüre jenseits von Sozialdemokratie und Stalinismus mit polemischer Sozialkritik und Aufklärung über den Antisemitismus, auch und gerade in seiner Spielart des Antizionismus von Links. Dafür interessierte sich zwar ein (für unsere kleinen Verhältnisse) ansehnlicher Teil des Publikums, nicht aber die Mehrheit der Aussteller und der Organisatoren.

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  Antifaschistische Hochschultage @ Uni Magdeburg   

Dezente Werbung war eh nie mein Ding. Ein Hoch auf große Banner! Ansonsten hier mal das Programm für die Hochschultage #2 organisiert von der AG EA @ Uni Magdeburg.

22.10.2008 // 19 Uhr // Uni-Gebäude 40
Antirassismus am Ende? Neue Ansätze in der antirassistischen Bildungsarbeit. Empowerment von und für People of Color und Critical Whiteness-Seminare in Deutschland.
Vortrag von Kevin Stützel und Jasmin Dean
(Ankündigungstext lesen)

26.10.2008 // 20 Uhr // Café Central
Kommunismus: Eine kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird
Hörspiel nach dem Buch von Bini Adamczak
(Ankündigungstext lesen)

30.10.2008 // 19 Uhr // Uni-Gebäude 40
Scheitern und Zukunft des kommunistischen Projekts
Vortrag von Hannes Gießler und Zwi Negator
(Ankündigungstext lesen)

06.11.2008 // 19 Uhr // Uni-Gebäude 40
Magdeburg im Nationalsozialismus
Vortrag von Maik Hattenhorst
(Ankündigungstext lesen)

09.11.2008 // Synagogenmahnmal
Gedenken der Opfer der Novemberpogrome
Kundgebung
(Ankündigungstext lesen)

10.11.2008 // 18 Uhr // Uni-Bibliothek
Zeitzeugengespräch mit Gina Bormann
(Ankündigungstext lesen)

  Die Dialektik von Einheit und Differenz   

Lesetipp: In zwei Teilen kann man bei Lizas Welt den Vortrag von Sebastian Voigt (unter anderem BgA Leipzig) zum Thema „Die Dialektik von Einheit und Differenz. Zur Diskussion über Migration, Multikulturalismus und Integration in Amerika und Europa“ nachlesen.

Teil 1 | Teil 2

  Gestern Morgen   

Oh schön, gleich noch was für Kopf und Ohren. Bei Public IP gibt es einen Mitschnitt zur Lesung von Bini Adamczak in Leipzig. Gelesen wird aus und diskutiert über das zweite Buch von Bini Adamczak „Gestern Morgen“.

zum Beitrag bei public-ip