Zerbst, die kleine circa 15.000 Einwohner/-innen zählende Enklave in Sachsen-Anhalt fürchtet um ihren Ruf. Mir war indess neu, das Zerbst bislang irgendeinen Ruf genossen hätten. Erst Recht irgendeinen guten. Auch mit viel Talent für blumige Umschreibungen könnte ich mir selbst kaum eine Beschreibung abringen, bei welcher die Ödnis und die Langeweile, die mir Zerbst bei so mancher Durchfahrt bereitete, in ein ehrerbietenes Licht rücken könnte. Ganz abgesehen davon, das mir dazu auch die Motivation fehlt. Nun durchzuckt die Stadt bei aller Bedeutungslosigkeit ein mittelgroßer Skandal. Eine Familie hatte an der Sendung Frauentausch teilgenommen.
Das Bild, das die Familie im Fernsehn darbot, erregt nun in einer Blockwartsmentalität die Zerbster Gemüter. Das Lokalblatt Volksstimme berichtet in mehrere Artikeln über Demonstrationen(2) aufgebrachter Bürger/-innen, von Drohungen gegen die Familie und Sachbeschädigungenam Haus der Familie.
Unterdessen warnt die Polizei aufgebrachte Bürger vor Handlungen, die strafbar sind. Nicht nur, dass Beleidigungen und Sachbeschädigungen von der Polizei aufgenommen und vom Gericht geahndet werden. Auch “ Demonstrationen “ unterliegen bestimmten Regeln. Darauf verweist Doreen Wendland, Pressesprecherin der Polizeidirektion Ost. (via)
Den Höhepunkt erlebte die Stadt am Mittwochabend, als sich rund 50 Zerbster zu einer spontanen Demonstration vor dem Haus versammelten. Es f ogen rohe Eier an die Wand. Die in der Stadt bekannte Fernsehfamilie fühlt sich bedroht. “ Es liegen Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Beleidigung vor. Wir haben bereits Tatverdächtige ermitteln können “, erklärt Doreen Wendland, Pressesprecherin der Polizeidirektion Ost.(via)
Liebe Zerbster/-innen, sollte euch am Bild eurer Stadt gelegen sein; sollte euch daran gelegen sein nicht irgendwelche Klischees öffentlich medial zu bedienen; sollte euch daran gelegen sein so etwas wie Kultiviertheit und Weltoffenheit zu vermitteln – nun dann ist es eine denkbar dämlich Taktik als aufgebrachter Pöbel durch die Stadt zu ziehen. Es ist dabei nicht nur dämlich, sonder direkt wiederlich, wenn denen, die gerade nicht ins Stadtbild passen, mal ordentlich heimgeleuchtet wird. In einem Leserbrief in der Volksstimme heißt es: “ Eines ist sicher : Die eingefangenen Bilder und Kommentare sind ein Schlag ins Gesicht aller Bürger, nicht nur aus Zerbst, sondern aus ganz Deutschland, die mit aller Kraft versuchen, die noch immer existierenden Mauern in den Köpfen vieler Deutscher einzureißen „(via). Gemeint ist damit natürlich die Familie mit ihrem TV Auftritt und nicht der Haufen, der die Familie offensichtlich am liebsten durch die geliebte Stadt treiben würde. Einige Zerbster/-innen scheinen die Meinung zu vertreten, dass man dadurch „die noch immer existierenden Mauern in den Köpfen vieler Deutscher einzureißen“ könnte. Eine gewagte These, die da in Zerbst gerade konsequent mit Eierwürfen und Sachbeschädigungen vertreten wird. Die Familie muss nun für die Enttäuschunge und die Wut des Pöbels herhalten. Dabei behält man die brutale Gleichung bei, durch die vermittelte Gewalt zeigen zu wollen, wie sehr man eben nicht mit der gepeinigten Familie identisch ist. Eigene Enttäuschen, die unerträglich geworden sind, finden in diesem gewalttätigen Spiel ihr Ventil und blinde Erlösung. Eine Stadt sucht ihren Mörder?
31.12.08 – 22.00 Uhr BANG BANG! – Sülwestar – Blow up! Magdeburg – vorne ins neue jahr mit: Atzetone, Dirg Trig, Dj Tork, Hardhorst, Just Etienne, Lorenz Kraach, Mal-Vien, Marcy Hell, Matthias Helbing, Nasca
Und gute Vorsätze fürs neue Jahr war`n als Kind schon Scheiße!
Auf der Sitzung vom 27.11.08 hat der Studentenrat der Otto-von-Guericke-Universität seine Umbenennung in Studierendenrat sowie das „gendern“ aller offiziellen Dokumente beschlossen. Durch die Mehrheit der Stimmen und das vorbereitende Engagement der Hochschulgruppen Sur l’eau, Juso-HSG und der Grünen Hochschulgruppe (GHG), konnte das längst überfällige sprachliche Update durchgesetzt werden.
Die veraltete Bezeichnung „Studentenrat“ entstammte einem Sprachsystem, welches in einer patriarchalen Gesellschaft geprägt wurde und widerspricht der Tatsache, dass der „StuRa“ die Vertretung ALLER Studierenden ist. Obwohl die männliche Geschlechterdominanz bis heute nicht abgeschafft werden konnte, erachten die genannten Hochschulgruppen es für wichtig, den Namen des höchsten Gremiums der Studierendenvertretung geschlechterneutral zu formulieren.
Die Verwendung des Begriffs „Studierende“ stellt nicht nur eine sprachliche Vereinfachung dar, weil nun nicht mehr von „Studentinnen und Studenten“ gesprochen werden muss, sondern beinhaltet ebenfalls die Menschen die sich nicht ein dieser beiden Kategorien zuordnen wollen.
Weiterhin wurde durch die Umbenennung die Rechtslücke in Bezug auf das Landeshochschulgesetz Sachsen- Anhalts geschlossen, welches nach § 65 Absatz 2 folgende Passage enthält: „Die Studierendenschaft verwaltet ihr Angelegenheiten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen selbst. Organe der Studierendenschaft sind der Studierendenrat und die Fachschaftsräte“. In dem gesamten 80-seitigen Gesetzestext sind keine Formulierungen, wie zum Beispiel „Studentenrat“ zu finden.
Die oben genannten Hochschulgruppen werden für eine schnelle Änderung des offiziellen Auftritts des ehemaligen “Studentenrats“ sorgen und gemeinsam alle notwendigen redaktionellen Änderung vornehmen.
Sur l’eau, GRÜNE Hochschulgruppe, Juso HSG, Magdeburg den 9. Dezember 2008
NKOTB hat dankenswerter Weise einen Bericht zum vergangenen Freitag geschrieben: Bitte mal hier lesen! Ich würde allerdings sagen das an der Kundgebung vor der jüdischen Gemeinde mehr Menschen teilgenommen haben. Schätzungsweise über 60, was ich für die kürze der Zeit schon sehr gut fand.
Ich war ja sehr skeptisch das ein HC-Konzi an einem Sonntagnachmittag in Magdeburg überhaupt funktioniert. Und dann hatten die Bands auch noch was zu sagen. Noch schwieriger. Der Sonntag hat mir dann aber richtig gut gefallen. Schöne Show, gut gefüllt und wie ich finde, eine angenehme Stimmung. Guter Grund nachzulegen
reizend; charmant; bezaubernd; hinreißend; liebenswert; verehrenswert – soll heißen: ich mag das Video.
Sna fu – DORIAN from laurent Gillot on Vimeo. Sna-Fu / Grand Desordre Orchestre gefallen mir aber auch recht gut. Dicke Gitarrenriffs, hysterische Shoutparts und ordentlich rumgezappel auf der Bühne. Da ich zur Band irgendwie nur Sachen auf Französisch gefunden habe, ist mein Informationsstand dank eingerosteter französisch Sprachkenntnisse ziemlich schlecht. Eventuell ist der Name ein Akronym für Situation Normal, All Fucked Up. Eventuell. Tja egal, hier noch ein live Video:
Und schön ist es geworden. Dickes Lob für die Design-Idee. Ansonsten gibt es wie gewohnt einen Überblick über Spots in Magdeburg, die man mit seinem Board unsicher machen kann, Dates und natürlich aktuelle News. Da kann ich gleich mal den ersten Videopodcast empfehlen.
Noch ein heißer Tip den ich Schmelz zu verdanken habe. Janette von Beatpunkt widmet sich in einem wunderschönen Review der aktuellen schlimmen Platte von Lack. Diese heulten ja schon, um Janette mal direkt zu zitieren, auf dem Vorgängeralbum „die israelische Bevölkerung zu den Tätern von heute […] oder [stellten] entrüstet [fest], dass aus Auschwitz angesichts der Leiden der palästinensischen Bevölkerung nichts gelernt wurde, …“
Mehr Enthüllungen über langweilige Musik und politische Armutszeugnisse gibts bei Beatpunk: klick
Oh Yes! Jack Black, Robert Downey Jr. und Ben Stiller in einem Film. Die drei spielen Schauspieler die beim Dreh für einen Kriegsfilm mitten in einem echten Drogenkrieg geraten. Enough Story. Ben Stiller hat auch gleich mal selber Regie geführt. Ich bin gespannt und erwarte abgedrehte Witze unter der Gürtellinie und non-stop-Verarsche auf viele Hollywood Kriegsfilme. Bei Ben Stiller scheiden sich ja oft die Geister, aber da ich sogar Zoolander gemocht habe, geh ich erstmal ganz optimistisch ran
So hier bleibts gerade mal weiter punkig. Bin gerade über Adorno gestolpert. Nein nicht T.W., sondern eine Band aus Portugal. Ich hatte mich ja erst gefragt wer die Texte zur Kulturindustrie gelesen haben kann, um dann so dreist zu sein, eine Band mit dem Namen Adorno zu gründen. Nunja mit T.W. haben die Jungs aber vom Namen her wohl doch nichts zu tun. Ihr Name bedeutet übersetzt nämlich so etwas wie „Ornament“. Soll vielleicht eher eine Anspielung auf den vertrackten Sound sein.
Musikalisch gibt es wirklich schönen Emocore, quasi das was man heute „oldschool“ nennen würde. Ich hätt mal so Four Hundred Years, Yage, oder At The Drive In als Vergleich vorgeschlagen.
In dem Bereich jetzt unbedingt das Rad neu zu erfinden ist wohl schwer, vielleicht sogar unmöglich. Adorno gefallen mir aber trotzdem sehr gut. Im Prinzip recht typischer Sound aber die Gitarrenwirbel und der Gesang bleiben auf Anhieb hängen. Und eigentlich passt auch der Name ganz gut, wenn es um Kids geht, die Songs über das beschädigte Leben schreiben.
Unterm Durchschnitt hat auch gerade eine Split 7″ der Band zusammen mit den ebenfalls großartigen Syn*error aus Berlin herausgebracht. Sehr praktische Kombi mit der man mal beide Bands checken kann.
Twisted Chords hat ja vor (fast) kurzem nochmal eine umfassende Disko von Amen 81 rausgehauen, auf der man sehr gut die musikalische Entwicklung der Band nachvollziehen kann. Von ersten rohen Demoaufnahmen bis hin zur routinierten Crust/D-Beat-Kapelle. Das Attitüde dabei was anderes als Kuschelkurs und Modeerscheinung ist, hat die Band zum Glück auch immer wieder klar gemacht. In der neu erschienenen bonjour tristesse #5 gibt es ein lesenswertes Interview über Auftrittsverbote, Plastic-Bomb Autoren, die das Songwriting der Band über Arthur Harris „zynisch“ und „menschenfeindlich“ finden und andere Sachen die man in Interviews halt mal so abfragt.
Offiziell blank wie ich bin, kann ich ja auch gleich mit dem Ausverkauf beginnen. Da ich bestimmt nicht auf millionenschwere Werbeverträge warten muss (falls das hier ein wichtiger PR-Mensch liest: ich wär aber auch nicht abgeneigt), supporte ich eben die befreundeten locals. Also The Rebarker und Laura Mars haben schicke Shirts gemacht die Träger und Trägerinnen suchen. Beutel gbts natürlich auch. Und für Leute, die wie ich eine Fahrradklatsche haben, sind die Fahrradshirts/beutel natürlich zu empfehlen. Das Layout ist dabei an eine RAMBO 7″ angelehnt … mal so zur Info.
Am 18. März 2007 wurden die ersten Stolpersteine in Magdeburg verlegt. Am 1. Juli wurden weitere Steine in Gedenken an ermordete Jüdinnen und Juden in der Stadt verlegt. Während alljährlich zum Januar Revisionisten und bekennende Nazis Hand in Hand durch die Stadt toben und sich über unfaires Bombardieren ausheulen und das Bild einer unschuldigen Enklave manifestieren wollen, in der die Leute nur mit Kaffeetrinken und Briefmarkensammeln und nicht mit Vertreibung, Zwangsarbeit und Massenmord beschäftigt waren, zeichnen die Steine ein sehr klares Bild. Wie ein Netz ziehen sich die einzelnen Verlegeorte durch die (Innen-)Stadt und verweisen hier und dort auf die Realität eines Magdeburgs in Zeiten des Nationalsozialismus.
Vor Kurzem wurde nun auch ein Stadtplan mit den jetzigen Steinen fertig gestellt: klick