Archiv für August 2009

  Na Danke … „Wenn Gott gütig ist, straft er die Israelis“ (SPON 30.08.2009)   

Rolf Behrens stellte nach der Analyse von 345 Artikeln des Nachrichtenmagazins Spiegel in seinem Beitrag „Sie schießen, um zu töten.“ (Neu-alter Judenhass, Hrsg.: Faber, Schoeps, Stawski 2007, 2. Auflage) fest, der Spiegel, „als meistzitiertes Medium […] und Themensetzer in der deutschen Presse- und Rundfunklandschaft“, führt das oft behauptete Tabu der Israelkritik in Deutschland ad absurdum. Laut Behrens zeigte sich im Untersuchungszeitraum (Intifada 1987-1992 und Al-Aqsa-Intifada 200-2002), dass der Spiegel in der Berichterstattung „mehr als einmal die Grenze überschreitet, die legitime Israelkritik von Antizinismus und Antisemitismus trennt.“ Der israelische Staat wird stereotyp als brutal, expansiv, rassistisch, voller Missstände und mit einer Gesellschaft gezeigt, die „sich im Niedergang befinde.“ So komme kaum ein Text „ohne feststehende und bewertende Vorstellungsbilder aus“, wie Behrens am statistischen Mittelwert von 0,96 Stereotype pro Artikel darlegt.


(Bild via www.coxandforkum.com)

Ulrike Putz berichtete nun auf Spiegel Online „In den Lagern der Palästinenser wächst der Hass“. Nach der Kurzvorstellung und emotionaler Einführung eines ehemaligen palästinensischen Familienglücks kommt der skandalisierende Bruch: „Doch dann brach kurz nach Weihnachten 2008 der Krieg zwischen Israel und der den Gaza-Streifen regierenden radikalen Hamas aus.“ Putz verschwendet keine weiteren erklärenden Worte dazu. Hintergründe, Verlauf oder ähnliches? So etwas sucht man vergebens. Das moralische Dilemma ist indes angerichtet: „Hier wurde meine Tochter ins Feuer geschleudert.“ Guten Appetit! Die Bodenoffensive der israelischen Armee reduziert sich auf ein moralisch zu verurteilendes fast a-politisches Event. Kein Wort von menschlichen Schutzschildern, derer sich die Hamas bediente, kein Wort vom Raketenbeschuss auf Israel, kein Wort über die hochkomplexe und andauernde Konfliktsituation, die in der Bodenoffensive nur einen weiteren Ausdruck fand, kein Wort über die Korruption im Gazastreifen, die humanitäre Hilfe blockiert.

Der interviewten Abu Halima wird damit Legitimation und Verständnis gegeben, wenn sie resümiert „wenn [Gott] gütig ist, dann straft er die Israelis für das, was sie getan haben“. Doch dabei bleibt es nicht. Nicht selten wurde der Spiegel biblisch wenn es darum ging, den Stereotyp der Rachsüchtigkeit der Israelis zu untermauern. So zitiert Behrens treffend einige Zeilen: „schon seit den Königen David und Salomo strotzt die Geschichte der Israeliten von Krieg, Mord und Totschlag“ (Spiegel 41/2001, S. 162); oder die „[…]geradezu biblische Vergeltungspolitik Scharons – Auge um Auge, Wahn um Wahn […]“ (Spiegel 15/2002, S. 139). Die Verlogenheit der humanistischen Anklage wird offenbar, wenn, wie im Artikel von Putz, Aussagen wie die von Abu Halim „Wenn [sie] könnte, würde [sie sich] unter den Israelis in die Luft sprengen […]“ unkommentiert stehen bleiben. Die Anklage wird einseitig. Das Moralisieren Mittel zum Zweck. Der Lesende hat indes zur Rezeption durch den Artikel nur die moralische Einstimmung auf das Einzelschicksal. So darf Abu Halima dann auch mit Aussagen wie: „Sie haben mir fünf Menschen genommen, ich nähme 50 von ihnen“ weiter um die Gunst und verständnisvolle Gnade des Lesenden für den geäußerten Wunsch nach Mord werben. Dass hierbei auch keine Unterscheidung zwischen Militär und Zivilbevölkerung getroffen wird, sondern Israelis allgemein als Ziel markiert werden, sei dazu auch noch angemerkt.

Über die Motivation für solche Darstellungen kann ich nur Mutmaßen. Behrens schlägt in seinem Beitrag 5 mögliche Erklärungsmuster vor. Im dritten Punkt zitiert er sinngemäß den verstorbenen palästinensischen Schriftsteller Edward Said, nach dessen Ansicht „»der Orintale« im Westen […] oftmals als rückständiger Mensch angesehen [wird], dessen Handeln nicht an den »zivilisierten« Maßstäben des Westens zu messen sei.“ Behrens spricht hier von einem subtilen Rassismus. Aber auch das bedienen der öffentlichen Meinung (Punkt 2 bei Behrens) sollte nicht außer acht gelassen werden. 2004 stimmten immerhin 68,3 Prozent der Befragten Deutschen der Aussage zu „Israel führ[e] einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“.

  Laura Mars Record Release Show   

Am 06.09. gehts ab nach Wolfsburg wenn meine Favorite SXEr von Laura Mars ihre Platte „Vultures“ rauskloppen. Ich freu mich und ich bin gespannt auf das fertige Stück Vinyl.

  Juli Beitrag für port01   

Der August beitrag ist noch im aktuellen Heft zu finden (Magdeburger Ausgabe) und den Septemberbeitrag gibts dann in wenigen Tagen.

  commercial break   


Der Sellout geht weiter. haha. Nein, also an dieser Stelle mal eine kleine Blogempfehlung für das benachbarte Blogprojekt „Haetze“. Enjoy the haetze!

  Das Reeperbahnfestival geht in eine neue Runde   

Seit 2006 fällt das Festival mit steigendem Erfolg in Hamburg ein. Das Konzept sucht dabei in Deutschland seines gleichen. Angelehnt an das South by Soustwest (Austin, Texas), verteilen sich die verschiedenen Acts über die Clublandschaft Hamburgs. So verschmelzen Club- und Festivalatmosphäre – mittlerweile über 140 bestätigte Bands und Einzelkünstler/innen verbunden mit intimer Clubatmosphäre inmitten des Treibens des Hamburger Kiezes. Musikalisch geht dabei auch erstmal alles. Vom Singer-Songwriter bis zum Elektroakt kann, darf und soll alles. So liest sich dann auch das Line-Up. Die folgende kleine Auswahl meiner persönlichen Highlights liest sich dann auch dementsprechend: Björn Kleinhenz, ClickClickDecker, Deichkind, Dinosaur Jr. (! Farm ist wirklich ein schönes Album), Fight Like Apes (It`s HC for Nerds ;-) ),Telekinesis (Es gibt wirklich genug Gründe die zu hypen), Future Of The Left (Remember McLusky? Das letzte Album lief jedenfalls wochenlang hoch und runter.), WhoMadeWho, Phantom/Ghost (Oh Yeah!) und viele viele andere.


(Future Of The Left PressePic; Quelle: www.reeperbahnfestival.com)

Also Zwischenstand: Hamburger Kiez; plus zig grandiose Acts; plus Clubatmosphäre; minus Festivaldixies; minus Schlammschlachten vor den Bühnen = genug Gründe um hin zu fahren.

Dazu kommt dann aber noch das Rahmenprogramm. Das Flatstock kommt wieder nach Hamburg. Für alle die eine Sammelleidenschaft für Musik-Kunst-Drucke haben und immer auf dem aktuellen Stand von OMG! Posters sind, die Gelegenheit alle Rücklagen raus zu hauen.

  this is so damn fuckin` allstar   

Them Crooked Vultures is a hard rock collaboration comprised of Josh Homme (Queens of the Stone Age,Eagles of Death Metal,Kyuss) on guitar and lead vocals, Dave Grohl (Foo Fighters, Nirvana) on drums and John Paul Jones (Led Zeppelin) on bass and keyboards

(via wikipedia)

Teaser:

Can`t wait!

  The Maniac Street Preachers – Journal for plague lovers   

“You‘re the best friends I ever had; Goodnight, sleep tight; Goodnight, God bless; Goodnight, nos da; I‘ll try my best […] Leave me, go Jesus ~ I love you, yeah I love you ~ Just let me go” singt Nicky Wire im Song William’s Last Words. Ein Song wie eine Offenbarung. So unglaublich nah und zeitgleich überwältigend. Die Stimme von Wire wirkt dabei so wunderschön zerbrechlich, dass man selbst schutzlos gegen die anrauschende emotionale Flut ist und droht in der unglaublich persönlichen Stimmung zu ertrinken.

Anhören: William`s Last Words

Am 1. Februar 1995 verschwand Richey James (Gitarre; Texte), ehemals Mitlied der Maniac Street Preachers, spurlos. Soweit ich weiß, sind bis heute die genauen Umstände unklar. Ein Jahr zuvor veröffentlichten die Street Preachers, damals noch mit Richey, das unglaubliche Album The Holy Bible, das vor allem durch seine durchweg verstörenden Songs anfangs schockte und floppte, um folgerichtig zum „Klassiker“ zu werden.

Mit dem neuen Album, mit dem zweifelsohne grandiosen Namen „Journal for plague lovers“, schließen die Preachers einen großen Kreis und knüpfen eben bei jenem Album wieder an.

“A series of images against you and me
Trespass your torments
If you are what you wanna be”

(Peeled Apples)

Anhören: Peeled Apples

Die Songtexte stammen allesamt aus der Feder von Richey James und so nehmen die Preachers Richey in ihrem mittlerweile neuntem Album wieder in ihre Mitte auf und schaffen kein einfaches Plagiat von The Holy Bible sondern ein Album das in seiner Zerbrechlichkeit, der persönlichen Tiefe und musikalischer Schroffheit eigenständig und vor allem eins ist: großartig. „You know so little about me.“ heißt es im Opener und das zu recht. Wer das Album einfach durchhört und der Bandgeschichte und den Texten keine Aufmerksamkeit widmet, wird meine Euphorie und Begeisterung kaum nachvollziehen können. Man möchte fast von einem Singer-/Songwriter-Album sprechen. Grandios wanken die Songs zwischen Auflehnung und Depression, Ironie und Fuck-The-World Stimmungen.

“Tonight we beg, tonight we beg the question
If a married man, if a married man fucks a Catholic
And his wife dies without knowing
Does that make him unfaithful, people?”

(Jackie Collins Existential Question Time)

Anhören: Jackie Collins Existential Question Time

Musikalische Referenzen zu the Holy Bible sind kaum zu überhören und auch das Album Artwork zeigt klar worum es geht. Wie auch schon bei The Holy Bible wurde hier Jenny Saville eingespannt. Die Maniacs haben für mich alles richtig gemacht. Ich liebe das neue Album. Es hat starke und berechtigte Referenzen ohne das es bedeutungsloser Abklatsch wird. Nein, es ist ein Gänsehautwerk, eine Weiterentwicklung; voll von Liebe, Aufstand und persönlichem Schmerz.

  blown away   

… by this adorable trailer

  kurzfristiger Terminhinweis: Kundgebung „Freiheit für die Menschen im Iran“   

12. August 2009 / Magdeburg
Infotisch / 14 – 16 Uhr / Alter Markt / neben dem MVB-Häuschen

Freiheit für die Menschen im Iran

Die Organistor_innen wollen im Allgeinen über aktuelle Entwicklungen in Iran und im Speziellen über die Repression des Regimes und die Situation der von jener Betoffenen informieren. Diese Aktion soll als Solidaritätsbekenntnis für die säkulare und demokratische Opposition verstanden werden.

(via antifa and more)

  hc for the hc   


So das Sucks N Summer gut überstanden und ne Menge Spaß gehabt. Bier und 38° im Schatten sind aber definitiv ne derbe Mischung. Die Stimmung war trotz enormer Hitze und einige Prollo-HC-Acts sehr nett. Dickes Lob an die Orga und einen tiefen Knix an den Futterstand mit dem veganen Gyros. Hab ich mich vollgestopft! Meine musikalischen Highlights: Evergreen Terrace (auch weil sie das Mad World Cover gespielt haben) und Black Friday 29. More Than Life sind dank dem miserablen Sound leider total schlecht rüber gekommen. Schade. Das Sucks N Summer war jedenfalls die Reise wert.

Hier noch die passende Kaffeetasse für den HC-Alltag :D

(via neatorama)

  wochenende steht   


Karten sind bestätigt. Donnerstag gehts ab Richtung Sachsen.

  vote   

ich würde dafür stimmen das sich gegenstandpunkt in gegenstandswechsel umbenennt. dann ist auch gleich die „argumentationstruktur“ mit benannt. alle „argumente“ sprechen dafür.