„In dieser Situation sollte überhaupt kein Match gegen Israel gespielt werden“, die Davis-Cup-Partie zwischen Schweden und Israel (6. bis 8.März) sei „eine Provokation für die in Malmö lebenden Araber“1 – so skurril äußerte sich der Bürgermeister von Malmö, Ilmar Peepalu, gegenüber der Tageszeitung „Sydsvenskan“ und rahmte so offiziell kommunalpolitisch die Ausschreitungen vom vergangenen Wochenende. Der Kulturausschuss des Malmöer Stadtrates tat sein übriges und ließ die Spiele seit Freitag unter fast vollständigem Zuschauerausschluss stattfinden – vorgeblich aus Sicherheitsbedenken aber natürlich auch, wie die Financial Times Deutschland berichtet, aus „Unterstützung für die Proteste gegen Israel begründet“3. Die fadenscheinigen „Sicherheitsbedenken“ hatte der verantwortliche Einsatzleiter der Malmöer Polizei, Håkan Jarborg Eriksson, in einem Interview entkräftet. „Es hat auch früher schon geklappt, Einlasskontrollen und Kartenvorverkauf sicher zu handhaben, wenn man verhindern wollte, dass es in der Arena zu Unruhen kommt.“4 Schwedens Schulminister Jan Björklund erklärte treffend dazu, das der Stadtrat damit die Ausschreitungen unterstütz hätte und „sowohl links- wie rechtsextreme Kräfte gegen junge jüdische Tennisspieler aufgehetzt [habe]“2.
Vor der „Baltiska Halle“ versammelten sich am Samstag mehrere tausend Menschen zu einer Kundgebung gegen „Israels Krieg und Okkupation“5. Die Veranstalter versprachen zuvor eine „friedliche, würdige“6 Veranstaltung. Auf ähnlichen „friedlichen“ und „würdigen“ Demonstrationen wurden in Malmö während der Gaza-Offensive unter anderem israelische Fahnen mit Hakenkreuzen7 öffentlich verbrannt. Wie friedlich können also Veranstaltungen sein, die zuvor schon Raum für antisemitische Ausschreitungen boten?

So tat man in Malmö im Anschluss an die Kundgebung sein Bestes um dem Zitat „Die ich rief, die Geister, Werd’ ich nun nicht los.“ gewalttätig Rechnung zu tragen. Menschen versuchten den abgesperrten Austragungsort zu stürmen. „Sie warfen Steine und Feuerwerkskörper auf die Sicherheitskräfte. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein. Rund 100 Personen wurden nach Polizeiangaben festgesetzt, mindestens sechs wurden festgenommen“8. Die Antwort auf die Frage, was der losgelöste Mob, der jede Differenz zwischen Zivilisten und Streitkräften begraben hat und hasserfüllt nur noch Israelis sieht, bei einem erfolgreichen Durchbruch in der Halle mit dem israelischen Tennisteam angerichtet hätte, mag man, denkt man an die Opfer des Olympia-Attentats von 1972, lieber nicht hören. Allein schon die Rechtfertigung der gewalttätigen Angriffe auf das Davis-Cup Spiel in Malmö und potentiell auf das israelische Tennisteam als eine Form von Protest macht sich zum Handlanger für diesen antisemitischen und antiisraelischen Gewaltakt. Die schwedische Zeitung „Sydvenskan“ quittierte daher schon zuvor das hofieren der „Proteste“ treffend mit: „Mit 0:6, 0:6, 0:6 habe die „Demokratie“ gegen den „Mob der Straße“ verloren.“9
Zumindest für das israelische Tennisteam gab es dennoch einen Grund zur Freude. Mit einem 3:2 Sieg gegen das schwedische Team zogen sie in das Viertelfinale des Davis Cup ein10. Doch ein bitterer Beigeschmack bleibt. Andy Ram, der israelische Doppelspieler, sprach über die Krawalle als „traurigen Moment für das Tennis, den Sport und für Israel“. Er sei in seiner „ganzen sportlichen Karriere […] niemals einem solchen Hass […] begegnet.“11
- 1) http://www.sport1.de/de/tennis/tennis_daviscup/artikel_78155.html [zurück]
- ebd. [zurück]
- 3) http://www.ftd.de/sport/tennis/news/:Nach-Krawalen-Israel-gewinnt-in-Schweden/483470.html [zurück]
- 4) http://jungle-world.com/artikel/2009/09/32769.html [zurück]
- 5) http://www.fr-online.de/in_und_ausland/sport/aktuell/?em_cnt=1685267&&sid=98671590891956360c4192894f13c5bf [zurück]
- ebd. [zurück]
- 7) Den antisemitischen Gehalt solcher Gleichsetzungen muss man hoffentlich nicht mehr erläutern. [zurück]
- 8) http://www.focus.de/politik/ausland/schweden-israel-demonstranten-wollen-tennisplatz-in-malmoe-stuermen_aid_378193.html [zurück]
- 9) http://www.fr-online.de/in_und_ausland/sport/aktuell/?em_cnt=1685267&&sid=98671590891956360c4192894f13c5bf [zurück]
- 10) http://www.israelnetz.com/themen/sport/artikel-sport/datum/2009/03/09/ausschreitungen-in-schweden-sieg-der-israelis/ [zurück]
- 11) http://www.ftd.de/sport/tennis/news/:Nach-Krawalen-Israel-gewinnt-in-Schweden/483470.html [zurück]
Mit 0:6, 0:6, 0:6 habe die „Demokratie“ gegen den „Mob der Straße“ verloren 
