identitäre Kackscheiße   


Bild via Indymedia

Ich bin eben über ein Bild der LL-Demo in Berlin gestoßen. Ich konnte diesem Brimborium in einer Mischung aus Bierzeltatmosphäre, peinlicher Selbstinszenierung und Sammelbecken für jede Gruppe die Marx` Kritik zum Marxismus pervertiert hat, ja schon vorher nicht viel abgewinnen. Im Groben und Ganzen war es mir einfach egal. Dieses Bild (und ein paar andere) haben mich aber wirklich schockiert. Dieses Transparent ist in seiner Symbolik an Selbstgefälligkeit wohl schwer zu überbieten. Da wird ein vermummten Typ in eine imaginäre Linie mit Liebknecht und Luxemburg gesetzt, um wohl sowas wie historische Kontinuität und Bezug zu suggerieren. Dahinter passend: ein Haufen Vermummter. Muss ja. Der Vermummte auf dem Transparent als Klischeevorstellung des autonomen Kämpfers; die unbedingte und unreflektierte Ausstrahlung von Uniformiertheit und Gewalt – Sinnbild einer Vorstellung von „linker Politik“ oder „linken Weltbildern“? Das ist Selbstsuggestion und Balsam für die militante Seele. Neben so großen Namen kann man sich als Idealtypus „Autonomer Kämfer“ auch groß fühlen; historisch bedeutsam und sowieso ganz doll politisch. Geschichte mach Platz: Hier kommt ein Selbsthilfetreffen! Hinter dem Transparent kann man dann die gewohnten und gewohnt langweiligen Verhaltensmuster abspulen. Kaputze hoch! Sonnebrille reingeklingt und bitte den Schal ab und an auch über die Nasenspitze. Man ist ja autonom und lässt sich nix sagen. Von den Bullen schon garnicht. Die sollen mal aufs Transparent gucken! Ein Hauch von Verbotenem liegt wahrlich in der Luft während bedingungslose Kritik an Staat und Kapital zur Kostümierung wird; schrumpft zusammen bis zur Unkenntlichkeit. Obszön wird es dann vollends mit dem Marx-Transparent. Wenn im Kapitalverhältniss wirklich schamlos alles seine Verwertung finden kann, so schafft es „die Linke“ ganz toll Kritiker_innen und historisch bedeutsame Menschen schamlos zu Verwerten. Marx, Liebknecht, Luxemburg … nicht mehr als bunte Bilder. Na wenigstens kann man am Ende drüber erzählen wer so alles da war und wie scheiße die Cops wieder drauf waren …


12 Antworten auf “identitäre Kackscheiße”


  1. 1 m. 13. Januar 2009 um 10:03 Uhr

    hahahaha! du hast ja sowas von recht. ähnliches hab ich mir auch gedacht als ich den indymedia-artikel fand.

  2. 2 Oompa Loompa 13. Januar 2009 um 19:17 Uhr

    und wie kommst du nun darauf, dass marx, liebknecht und luxemburg hier nur einfach verwertet wurden und das nur aus identitäts- statt aus theoriegründen?
    aufruf, alb-text und -broschüre nich gelesen?

    und wenn du schon hatest, dann doch bitte auch darauf, dass da nicht nur ein marx-doppelhalter, sondern auch noch einer von engels und lenin mitgeschleppt wurden.

  3. 3 Simone 13. Januar 2009 um 23:05 Uhr

    Naja, dafür müssen die nicht auf irgendwelche „Parties“ oder „Konzerte“ in Magdedorf gehen. Die sind nämlich so belanglos, da interessiert sich nicht einmal die Staatsmacht für.

  4. 4 IdrawESCAPEplans 14. Januar 2009 um 1:09 Uhr

    @ oompa: den eigenen idealtypus stumpf in diese reihe zu rotzen, soll also theoreigründe haben? das sind wunschträume. von der peinlichkeit dieses idealtypus mal ganz zu schweigen. das ist dann gleich die nächste abfuhr

    ich hab unter dem bild auf den indyartikel verwiesen. da kann man sich ja gern noch mehr bilder ansehen, wenn man mag.

    @ simone
    seit wann müssen denn parties und konzerte von belang sein? ich seh das immernoch als persönlichen zeit vertreib. wer sich dabei auf magdeburg beschränkt, ist allerdings wirklich selbst schuld

  5. 5 Oompa Loompa 14. Januar 2009 um 12:13 Uhr

    ja, den autonomen in eine reihe mit l und l zu stellen, ist vom theoretischen nährwert her schon reichlich unangebracht. das nun aber als identitäre kackscheiße ab zu tun ist in anbetracht, dass es da ja dann doch ne inhaltliche auseinandersetzung mit l und l gibt, auch unangemessen.
    (post-)autonomen ansonsten vor zu werfen, sie würden autonome auf ihre transparente und plakate malen, bringts nicht so ganz.

    kritisier sie halt inhaltlich statt dich an solchen quatsch ab zu arbeiten.

  6. 6 Wendy 15. Januar 2009 um 1:54 Uhr

    Na haben Antifas mal den Personenkult auf die Schippe genommen und andererseits deutlich gemacht, dass sie sich sehr wohl in einer Traditionslinie zu den sympathischeren Vertretern der deutschen Kommunisten sehen und du heftest dem einen nach Schweiß riechenden Fitnessstudio-Stallgeruch an. Absurd, als ob Rosa und Karl für ihre Fertigkeiten im Boxen, Mackern und Randalieren bekannt gewesen wären.

    Und nun ja: Eines der gängigsten Symbole für den Autonomen ist nun mal sein vermummtes Ebenbild. Die Zapatisten, von denen sonst nicht viel zu halten ist, haben ja auch einige theoretische Beigaben zu ihrer Praxis der Vermummung gemacht – die kannst du dir wahrscheinlich auch nur als überhöht-selbstdarstellerische Pseudo-Militanz denken.

    Wie du unter dieser Hassi einen Mann erkennen kannst, ist für mich unverständlich, ich sehe da einen vermummten Menschen. Und ja: Wenn jemand unbedingt einen modernen „Linksradikalen“ auf so einem Transpi haben will, sollte er sich nicht hinsetzen und Brigitte oder Thomas beim Plenum abmalen, das würde ja kein Arsch erkennen, sondern halt solche gängigen Symbole nutzen…

    Aber du regst dich anscheinend manchmal einfach gern auf.

    Achso: Gibts das Transpi jetzt auf Ebay? Oder wie haben die Antifas es geschafft, Marx, Engels, Rosa und Karl zu verWERTen? Läschorlisch.

  7. 7 Wendy 15. Januar 2009 um 1:56 Uhr

    Nachtrag: Unter den gut eineinhalb Dutzend Aktivisten dort, sehe ich exakt einen Vermummten. Ich kann leider nicht gut rechnen, aber wenn wir da eine Prozentzahl ausrechnen würden: Die wäre wohl sehr niedrig…

  8. 8 narodnik 15. Januar 2009 um 3:19 Uhr

    Was ist das eigentlich für eine Rede vom Identitären? Was ist so falsch daran als Linke eine politische Identität in der eigenen Organisierung zu gewinnen? Die sollte ja gerade das Resultat einer Einsicht in die bestehenden Verhältnisse und des auf diesem Boden ergriffenen Willens zu deren Abschaffung sein.

    Kritisiere doch mal lieber die Abstraktheit der Systemkritik dieser sog. Autonomen anstatt hier mit bildungsbürgerlichen Ressentiments anzutreten die nur deinem bildungsbürgerlichen Habitus genüge tun.

  9. 9 H3O+ 17. Januar 2009 um 0:24 Uhr

    President Bush said:
    „I‘ve often spoken to you about good and evil, and this has made some uncomfortable. But good and evil are present in this world, and between the two of them there can be no compromise.“

    Das möchte ich gegen die linke Harmonie, die hier vorherrscht, gewendet wissen.

  10. 10 Wendy 20. Januar 2009 um 23:08 Uhr

    Einer schreibt einen wütenden Beitrag, zwei andere streiten dagegen an und du siehst Harmonie?

    Wo bist du aufgwachsen? Tschetschenien?

  11. 11 Clemens 10. Februar 2009 um 12:44 Uhr

    Was mich seit Jahren Januar für Januar aufs Neue erheitert, ist ein bestimmtes Transparent, das in Medienberichten über die Gedenkdemo immer wieder auftaucht (wahrscheinlich ist es auch wirklich seit Jahren immer dasselbe): „Aufstehen und widersetzen“. Also, ich steck ja nicht drin, aber: Dass dieser Slogan jemals mündlich skandiert worden ist, kann ich mir schwer vorstellen. Wenn man ihn ausspricht und die Schreibweise nicht sieht, verliert er nämlich viel von seiner revolutionären Drastik.

  1. 1 Nichts leichter als das. « »Stil, Irrelevanz und Bewegungsmangel« | EinBlog Pingback am 19. Januar 2009 um 2:32 Uhr
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