Archiv für Januar 2009

  AGEA: Mitschnitt zu „Turning a dream into a nightmare?“ online   

Der Mitschnitt der Veranstaltung „Turning a dream into a nightmare?“ vom 09. Dezember 2008 ist nun über die Seite der AG Emanzipative AntifaschistInnen zu bekommen. Im Vortrag referiert der Geschäftsführer von Wadi. e.V., Thomas von der Osten-Sacken, anlässlich des sechzigsten Jahrestages der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte, über den Widersprüchlen Charakter der Menschenrechte, sowie das theoretische Dilemma in dem dadurch Institutionen wie die UN stecken.

Aus der Ankündigung:
„Die Erklärung war das Versprechen an die Zukunft, dass Ähnliches nie wieder einem Menschen widerfahren müsse. So formulierten die Stichwortgeber wie John Humphrey, Charles Malik, René Cassin, Peng-chun Chang oder Eleanor Roosevelt einen Traum einer Welt, in der die angeborene „Würde und [die] gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt [bilden].“
Heute, 60 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, muss angesichts zahlreicher Menschenrechtsverletzungen – sei es beispielsweise das rigide und brutale Vorgehen Chinas gegen Oppositionelle, der Genocid in Darfur oder die ständige Vernichtungsdrohung des Iran gegen den Staat der Shoa-Überlebenden, Israel – gefragt werden, inwieweit dieser formulierte Anspruch der Vereinten Nationen noch ernst genommen werden kann.“

den Mitschnitt gibt es hier: klick

  Ich gebe hier mein Zeugnis ab   

So ich wurde gebeten den folgenden Artikel (via) mal zu posten. Das mach ich doch gerne :)

Ich gebe hier mein Zeugnis ab

Bernhard-Henri Levy

24. Januar 2009 Yovan Diskin ist der Chef des mystischen und gefürchteten israelischen Inlandsgeheimdiensts Shin Bet. Soweit ich weiß, hat er sich noch nie geäußert, jedenfalls nicht seit Kriegsbeginn.

Er ist um die vierzig, er ist groß, massiv. Eine militärische Statur, zu der die Jeans, das T-Shirt und Turnschuhe gar nicht recht passen wollen. Wir treffen uns im Morgengrauen. Sein Büro im Norden Tel Avivs wirkt mit diesen breiten Schießscharten wie ein Bunker.

„All das wegen Sderot?“, eröffne ich unser Gespräch. „Diese Sintflut aus Flammen, die Opfer, alles, um die Raketen auf Sderot und die anderen Städte und Kibbuzim im Süden zu stoppen?“

„Ja, natürlich“ antwortet er gereizt, „Kein Staat der Welt kann es tolerieren, täglich Geschosse auf die Köpfe seiner Bürger niedergehen zu sehen.“

Und weil ich gleich sage, dass ich das weiß und dass ich jeden Israel-Besuch in Sderot beginne, aus Prinzip und aus Solidarität, und weiter sage, dass es doch andere Wege gegeben haben muss zu verhandeln, um zu verhindern, dass es so weit kommen musste, da zuckt er komisch mit den Schultern und schlägt den Ton dessen an, der, weil es wohl unbedingt sein muss, nun in die Erläuterung der technischen Details einsteigt.

weiter gehts hier oder auch hier

  Dates: Captain Planet, Adolar und taktlos [glücklich]   


Yes, yes, yes!

  Dates: Ausstellung “Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland”   

4. bis 27. Februar 2009, Stadtbibliothek Magdeburg
Mo. – Fr. 10.00 – 19.00 Uhr, Sa. 10.00 – 13.00 Uhr
Ausstellung “Opfer rechter Gewalt seit 1990 in Deutschland”

Die Ausstellung porträtiert 136 Menschen, die rechter Gewalt von 1990 und 2005 zum Opfer fielen. Viele wurden getötet, weil für sie im Weltbild der Rechtsextremisten kein Platz ist; manche, weil sie den Mut hatten, Nazi-Parolen zu widersprechen. Einige Schicksale bewegten die Öffentlichkeit, viele wurden kaum zur Kenntnis genommen, vergessen sind die meisten. Die Ausstellung ruft diese Menschen in Erinnerung.

Die Ausstellung basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen, vor allem auf Zeitungsartikeln. Sie dokumentiert das Bild, das sich die Gesellschaft von den Opfern rechter Gewalt gemacht hat: Manche Fälle führten zu öffentlicher Empörung oder waren Anlässe politischer Kontroversen; von vielen der Toten jedoch wurde nie ein Foto veröffentlicht, von manchen noch nicht einmal ihre Namen.

“Den Opfern einen Namen geben” wollten die beiden Tageszeitungen “Frankfurter Rundschau” und “Der Tagesspiegel” als sie am 14. September 2000 eine Chronik von 93 Opfern rechter Gewalt seit 1990 veröffentlichten. Auf diese Chronik greift die Ausstellung maßgeblich – nicht ausschließlich – zurück. Die Chronik entfachte einen politischen Streit, weil das Bundesinnenministerium im gleichen Zeitraum nur 24 Todesfälle durch rechte Gewalt registriert hatte.
(mehr…)

  Vom Frauentausch zum aufgebrachten Mob   

Zerbst, die kleine circa 15.000 Einwohner/-innen zählende Enklave in Sachsen-Anhalt fürchtet um ihren Ruf. Mir war indess neu, das Zerbst bislang irgendeinen Ruf genossen hätten. Erst Recht irgendeinen guten. Auch mit viel Talent für blumige Umschreibungen könnte ich mir selbst kaum eine Beschreibung abringen, bei welcher die Ödnis und die Langeweile, die mir Zerbst bei so mancher Durchfahrt bereitete, in ein ehrerbietenes Licht rücken könnte. Ganz abgesehen davon, das mir dazu auch die Motivation fehlt. Nun durchzuckt die Stadt bei aller Bedeutungslosigkeit ein mittelgroßer Skandal. Eine Familie hatte an der Sendung Frauentausch teilgenommen.

Das Bild, das die Familie im Fernsehn darbot, erregt nun in einer Blockwartsmentalität die Zerbster Gemüter. Das Lokalblatt Volksstimme berichtet in mehrere Artikeln über Demonstrationen (2) aufgebrachter Bürger/-innen, von Drohungen gegen die Familie und Sachbeschädigungen am Haus der Familie.

Unterdessen warnt die Polizei aufgebrachte Bürger vor Handlungen, die strafbar sind. Nicht nur, dass Beleidigungen und Sachbeschädigungen von der Polizei aufgenommen und vom Gericht geahndet werden. Auch “ Demonstrationen “ unterliegen bestimmten Regeln. Darauf verweist Doreen Wendland, Pressesprecherin der Polizeidirektion Ost. (via)

Den Höhepunkt erlebte die Stadt am Mittwochabend, als sich rund 50 Zerbster zu einer spontanen Demonstration vor dem Haus versammelten. Es f ogen rohe Eier an die Wand. Die in der Stadt bekannte Fernsehfamilie fühlt sich bedroht. “ Es liegen Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Beleidigung vor. Wir haben bereits Tatverdächtige ermitteln können “, erklärt Doreen Wendland, Pressesprecherin der Polizeidirektion Ost.(via)

Liebe Zerbster/-innen, sollte euch am Bild eurer Stadt gelegen sein; sollte euch daran gelegen sein nicht irgendwelche Klischees öffentlich medial zu bedienen; sollte euch daran gelegen sein so etwas wie Kultiviertheit und Weltoffenheit zu vermitteln – nun dann ist es eine denkbar dämlich Taktik als aufgebrachter Pöbel durch die Stadt zu ziehen. Es ist dabei nicht nur dämlich, sonder direkt wiederlich, wenn denen, die gerade nicht ins Stadtbild passen, mal ordentlich heimgeleuchtet wird. In einem Leserbrief in der Volksstimme heißt es: “ Eines ist sicher : Die eingefangenen Bilder und Kommentare sind ein Schlag ins Gesicht aller Bürger, nicht nur aus Zerbst, sondern aus ganz Deutschland, die mit aller Kraft versuchen, die noch immer existierenden Mauern in den Köpfen vieler Deutscher einzureißen „ (via). Gemeint ist damit natürlich die Familie mit ihrem TV Auftritt und nicht der Haufen, der die Familie offensichtlich am liebsten durch die geliebte Stadt treiben würde. Einige Zerbster/-innen scheinen die Meinung zu vertreten, dass man dadurch „die noch immer existierenden Mauern in den Köpfen vieler Deutscher einzureißen“ könnte. Eine gewagte These, die da in Zerbst gerade konsequent mit Eierwürfen und Sachbeschädigungen vertreten wird. Die Familie muss nun für die Enttäuschunge und die Wut des Pöbels herhalten. Dabei behält man die brutale Gleichung bei, durch die vermittelte Gewalt zeigen zu wollen, wie sehr man eben nicht mit der gepeinigten Familie identisch ist. Eigene Enttäuschen, die unerträglich geworden sind, finden in diesem gewalttätigen Spiel ihr Ventil und blinde Erlösung. Eine Stadt sucht ihren Mörder?

  bitte mal vormerken   

Nun steht der Termin. Am 23.04.09 kommen Frittenbude nach Magdeburg ins Projekt 7. Presented by yr FasRa Party Team.

  Wer hat hier gewonnen?   

Fragt Abu Abed im Schutt stehend, der mal sein Haus war.

„Ich habe meine Meinung über die Hamas geändert“, sagt Abu Abed. „Ich kann keine Partei unterstützen, die einen Krieg führt, der unser Leben zerstört.“ Besonders schmerzt den Bauern, dass die Hamas den Waffenstillstand auch noch als Sieg verkauft.
[…]
Einer seiner Nachbarn mischt sich ein: „Viele sind jetzt gegen die Hamas, aber das wird nichts ändern“, sagt er. „Denn wer gegen sie aufsteht, wird getötet.“
[…]
Die Schreckensherrschaft werde noch lange anhalten, glaubt der Nachbar, der seinen Namen nicht sagt: „Einen Aufstand gegen die Hamas kann es nicht geben. Es wäre Selbstmord.“

  was mich beim layouten zum lachen bringt   

Ein echter alltime fav und bestimmt eh schon bekannt aber: Bwahahaha!

  I eat danger for breakfast   


Bolt Trailer from Joshua Smibert on Vimeo.

Oh Yeah ich will Bolt sehen. Allein schon wegen dem Hamster! nice

  Nostalgiegeflüster   

Vor sechs Jahren habe ich das erste Mal sowas wie ne Auftragsarbeit, was das Gestalten einer Website angeht, gehabt. Damal fand ich frames unglaublich toll und hatte keine Ahnung was css ist. HTML hab ich da sogar noch ganz brachial mit dem Texteditor geschrieben. Schon Komisch wenn man da so zurück blickt. Vor allem wenn ich die Zeitspanne bedenke.

Die Site war für ein HipHop Projekt von ein paar guten Freunden. Ich glaube damals waren die Beats teilweise mit Fruityloops und so nem Playstation Programm gebastelt. Die Songs haben zumindest lokal einen Kultstatus erreicht. Mittlerweile gibts bei Mutter Rec eine aktuelle und wohl auch letzte Veröffentlichung der Formation. Beats gibts von DJ Tork, den man regelmäßig in der Kunstkantine Hören und Sehen kann. Interessante und angenehme Mischung.

  Dates: 60 Jahre Pressefotografie aus Israel   

Forum Gestaltung | 6. Februar – 8. März 2009
Montag bis Freitag, 10.00 – 18.00

Zur Eröffnung der Ausstellung im Forum Gestaltung am 5. Februar 2009 um 19.30 Uhr in der Brandenburger Straße 10 in Magdeburg, wird David Rubinger anwesend sein.

Paul Goldman und David Rubinger, beide Pioniere der Presse und Dokumentationsfotografie, begleiteten die Geschichte Israels mit ihrer Kamera und dokumentierten die turbulenten Phasen der Staatsgründung und Staatsentwicklung mit ihrem ganz eigenen, sensiblen Blick. Im Auftrag internationaler Presseagenturen und Magazine schufen sie Bilder, die heute Teil der kollektiven Erinnerung Israels sind. IhreWerke erkunden das
Lebensgefühl der Menschen in einem Staat auf der Suche nach Identität und Normalität.

Paul Goldman wurde 1900 in Budapest geboren und emigrierte 1940 unter schwierigen Umständen nach Palästina. Er dokumentierte zwischen 1943 und 1961 den im Entstehen begriffenen jungen Staat Israel und schuf Bilder, die heute Teil des visuellen Gedächtnisses Israels sind. Als Goldman im Jahr 1986 starb, geriet seinWerk in Vergessenheit. Im Jahr 1998 begab sich David Rubinger auf die Suche nach dem verlorenen Nachlass seines älteren Kollegen:

Rubinger, der 1924 inWien geboren wurde und 1939 nach Palästina emigrierte, wurde auf dem Dachboden der Tochter Paul Goldmans in einem kleinen Vorort von Tel Aviv fündig.
Die Ausstellung, die dieWerke von Goldman und Rubinger erstmalig gemeinsam in Deutschland präsentiert, führt durch ein beeindruckendes Zeitpanorama von sechs Jahrzehnten israelischer Geschichte und berichtet von den enormen Herausforderungen, denen das Land ausgesetzt war und ist

  10-Punkte-Verordnung für die disziplinierte Marschformation   


Erschreckende Szenen auf dem „Trauermarsch“. Getarnte Kameraden und mehrfache Vergehen gegen das andächtige Rauchverbot. Einige der Kameraden sollen sogar gegessen haben …

Bei Infothek Dessau gibt es neben einer gewohnt guten Fotodokumentation des rechten „Trauermarsches“ auch einen sehr lesenswerten und teilweise wunderbar zynischen Tagesrückblick.

Auch die wiederholte Mahnung des Kameraden Andreas B. aus Magdeburg, während der Veranstaltung nicht zu essen, vermochten einige junge rechtsextreme nicht nachkommen. Wenn selbst die Führungsriege der sachsen-anhaltinischen Neonazis und die Ordnergruppe den Verordnungen nicht Folge leisten, kann das vom Nachwuchs kaum erwartet werden. Selbst der JN-Bundesvorsitzende Michael Schäfer, großes Vorbild für den NPD-Nachwuchs, telefoniert ignorant während der emotionalen Rede seines Volksgenossen. (via)

Der Mehrheit der rund 234.000 Magdeburgern scheint die Entscheidungsfreiheit über Mahlzeit und Fernsehprogramm genug Demokratie zu sein, um sich nicht weiter ins gesellschaftliche Geschehen einmischen zu müssen.(via)

  … egal wie hoch der Preis sei.   

Wenn die Rationalität offensichtlich kein Maßstab ist, dann sagt man als Hamas sinngemäß auch mal Folgendes auf einen durch Israel einseitig erklärten Waffenstillstand und der zugesagten Räumung des Gaza-Streifens bei Akzeptans der Waffenruhe durch die Hamas:


Die im Gazastreifen regierende Hamas kündigte eine Fortsetzung des Kampfes an. […] Hamas werde nicht die Präsenz eines einzigen israelischen Soldaten im Gazastreifen tolerieren, egal wie hoch der Preis sei.1

In diesem Sinne nochmal ein ziemlich passendes Bild von Cox & Forkum:

  1. http://www.tagesschau.de/ausland/gaza680.html [zurück]

  21. & 27.01.09 Veranstaltungen des Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Magdeburg   

Noch zwei Terminhinweise. Diesmal vom Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Magdeburg.

21.01.09 / 18:00 Uhr

London, Athen, Duisburg –
Antisemitismus unter dem Deckmantel der Kriegsgegnerschaft

Seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive am 27. Dezember 2008 kommt es weltweit zu Demonstrationen gegen den Krieg im Nahen Osten. Hinter dem ersten Eindruck von Friedensliebe und „Nie-wieder-Krieg-Krakele“ verbergen sich dabei nicht nur einsilbige Parolen gegen den Staat Israel, sondern offener Antisemitismus und Antizionismus, sowie Solidaritätsbekundungen für die terroristische Hamas. Die Stoßrichtung ist deutlich: Israel führt einen „vernichtenden Angriffskrieg“ gegen Gaza und verübt willentlich unter den Augen der Weltöffentlichkeit einen „Völkermord“. Den „Beweis“ liefern täglich die palästinensischen Medien. Aber weder wird deren Berichterstattung kritisch hinterfragt, noch auf die ständige Infragestellung des Existenzrechts Israels durch Raketen aus Gaza eingegangen. Die zivilen Opfer in diesem Krieg werden ausschließlich Israel angelastet. Dass sie von der Hamas als menschliche Schutzschilde missbraucht werden, wird glatt ignoriert. Stattdessen wird zum Boykott israelischer Produkte aufgerufen und das Ende imperialistischer Kriege gefordert, während man sich andernorts hinter diesem Feigenblatt nicht mehr versteckt und sich direkt ein Ende des „zionistischen Konstrukts“, wenigstens aber eine dritte Intifada wünscht. Gleichzeitig nimmt die Gewalt gegen Juden und Jüdinnen und jüdische Einrichtungen in europäischen Städten zu, womit die antisemitischen Projektionen der „Friedensfreunde“ nun auch erste sichtbare Folgen haben. Paul Spiegel brachte es treffend auf den Punkt als er sagt: „Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder!“ Demonstrationen mit Hamas- und Hisbullahsymbolen auf denen antisemitischen Parolen skandiert werden, sind keine Demonstrationen für Frieden, sondern Aufmärsche die die despotische und brutale Herschafft der Hamas über die Menschen in Gaza und den Terror gegen Israel gutheißen; sie sind Plattform für antisemitische Vernichtungswünsche gegen Jüdinnen und Juden. Diese Art der „Friedensbewegung“ muss entschieden kritisiert werden.

Über den weltweiten Antisemitismus unter dem Deckmantel der Kriegsgegnerschaft diskutieren Landesrabbiner Moshe Flomenmann, Sebastian Voigt (Promovend, BgA Leipzig) und Dr. Eckhart Frey (Historisches Seminar der OvG-Universität Magdeburg) am 21.1.09 um 18 Uhr in Raum 337 Gebäude 40, Zschokkestr.32.

27.01.09 / 18:00 Uhr

Darum Israel – eine Einlassung

Kein Staat irgendwo auf der Welt steht derart in der Kritik wie Israel – von rechts bis links, von der reichsten europäischen Industrienation bis zur ärmsten Gesellschaft im Trikont gleichen sich die Ressentiments: Der Staat der Juden sei ein „rassistisches Konstrukt“, seine pure Existenz sei auf dem Blut und den Tränen der Palästinenser errichtet, und seine „imperialistische Politik“ gefährde nicht nur die regionale Sicherheit, sondern gleich den Weltfrieden. Für die arabischen Staaten ist der 60. Gründungstag des Staates Israel am 14. Mai der Tag der „Nakba“ – der Katastrophe. Deutschland betont unterdessen zwar pausenlos seine »besondere Verantwortung« für Israel, die in der Praxis jedoch vor allem aus Ermahnungen besteht, die Israelis mögen sich mit den antisemitischen Mordbrennern von Hamas und Hisbollah an einen Tisch setzen.

Solcherart »Freundschaft« ist tatsächlich nichts als Verrat an dem Zweck, der den Judenstaat von allen anderen Staaten unterscheidet – als einzige Konsequenz, die aus Auschwitz jemals gezogen wurde, bildet Israel den bewaffneten Schutzraum der Juden gegen die antisemitische Barbarei. Dieser Gedanke wird deutlich, wenn man die Eskalation der Judenverfolgung bis zu Vernichtung als Anlass zur Gründung Israels begreift. Auch 64 Jahre nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands gilt, dass die Existenz dieses Staates und seiner Armee das einzige ist, worauf Juden sich verlassen können, wenn Antisemiten ernst machen. Das gilt insbesondere auch für jene arabischen Antisemiten, die Israel bereits vor seiner Gründung zum Hauptfeind erklärt hatten, nicht erst als Reaktion auf dessen Politik. Israels Kriege haben den islamistischen und nationalistischen Hass gegen die Juden nicht verursacht, sie sind im Gegenteil dessen notwendiges Resultat.

Adorno formulierte den kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse so einzurichten, dass Auschwitz sich nicht wiederholen möge. Unter dem Eindruck des weltweit grassierenden Antisemitismus und vor dem Hintergrund der islamistischen Vernichtungsdrohung bedeutet das in der Praxis vor allem eins: Solidarität mit Israel – und zwar bedingungslos.

Zu diesem Thema spricht am 27.1.09 ein Referent des [a:ka] Göttingen, im Anschluss gibt es die Möglichkeit zur Diskussion. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Seminarraum der Unibibliothek, Campus.

  17.01.09 Magdeburg: Kundgebung Gegen Antisemitismus und Antizionismus!   

Das diesjährige Geheule der Nazis wegen der bösen bösen Alliierten soll 13 Uhr am Bahnhof Neustadt beginnen. Der Treffpunkt der Nazis liegt dabei genau neben der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg. Um die Gemeinde zu supporten daher der leider sehr kurzfristige Aufruf für folgende Kundgebung:

Kundgebung
Gegen Antisemitismus und Antizionismus!

Im Januar vergangenen Jahres marschierten schätzungsweise 700 bis 800 Rechte durch die Magdeburger Innenstadt. Thema war der Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Truppen. Der so genannte und selbsternannte „Trauermarsch” manifestiert dabei seit Jahren die neonazistische Auslegung der Geschichte, in der die Alliierten eben nicht als Befreier, sondern als Kriegsverbrecher firmieren – haben doch die Alliierten die geistigen Väter der heutigen „Nationalen Sozialisten” schlussendlich zur Kapitulation zwingen können. Die geschichtsrevisionistische Mobilmachung in einer Mischung aus Selbsthilfetreffen für alle, die das herbeigeführte Scheitern des Nationalsozialismus auch heute noch nicht verarbeitet haben und Relativierung der deutschen Verbrechen eint alljährlich Rechte jedweder Couleur. Taschentuchstimmung vom militanten Autonomen Nationalisten bis hin zum Parteisoldaten.
In diesem Jahr soll der Aufmarsch am Bahnhof Neustadt in Magdeburg beginnen. Wie im Jahr zuvor ist wieder mit mehreren hundert Rechten zu rechnen.
Als sei der Aufmarsch nicht schon widerwärtig genug und als hätte man nicht im letzten Jahr bereits den Vogel abgeschossen, als man in beschaulicher Fackelstimmung den Naziaufmarsch am Mahnmal der zerstörten Synagoge vorbei ziehen ließ, schafft es die Polizei in diesem Jahr planungstechnisch noch einen drauf zu setzen. So sollen sich nun also Menschen, die die Meinung vertreten, der Nationalsozialismus wäre doch gar nicht so wild gewesen und für die – mal so, mal so artikuliert – die Realisierung des antisemitischen Vernichtungswunsches nach wie vor zur Debatte steht, direkt vor dem Gebäude der Synagogen-Gemeinde zu Magdeburg sammeln dürfen. Während sich bereits unter dem Deckmantel von Friedensdemonstrationen zur Zeit eine Pogromstimmung gegen Jüdinnen und Juden manifestiert und der Vernichtungswunsch gegen Israel zum guten Ton gehört, erscheint es als wahnwitziges und absolut pietätloses Unterfangen, mehreren hundert Antisemiten die Gelegenheit zu bieten, sich während des zeitgleich stattfindenden Gottesdienstes vor der Synagogen-Gemeinde sammeln zu können.
Um dies nicht unkommentiert zu lassen, rufen wir Nahe der Synagogen-Gemeinde zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus und Antizionismus auf.

Beginn: 12:00 Uhr
Ort: Agnetenstraße / Nähe Bahnhof Neustadt

Initiative gegen Antisemitismus