Erinnerung an den 9. November in Magdeburg   

Gegen 15 Uhr begann die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Novemberpogrome in der Johanniskirche in Magdeburg. Schätzungsweise über 300 Menschen hatten sich dazu eingefunden. Ich war etwas unsicher was genau mich erwarten würde aber war über die Konzeption und den Ablauf sehr positiv überrascht. Die einzelnen Beiträge der unterschiedlichen Redner und Rednerinnen haben immer wieder sehr deutliche und ergreifende Worte gefunden. So nahm sich der Vertreter der Kirche die Rolle der Kirche im Nationalsozialismus nicht in Schutz, sondern sprach sich für einen ehrlichen Umgang mit der eigenen Vergangenheit als einen wichtigen Teil des Erinnerns und Gedenkens aus. In einer weitere Rede wurde gemahnt, dass das Erinnern auch ein aktives sein muss und das unter anderem bedeutet, es eben nicht hin zu nehmen, wenn ein Land der UNO Israels Existenzrecht in Frage stellt und sein Staatsführer den Holocaust in Frage stellt; es würde aber auch für die politische Landschafts Deutschlands bedeuten Israel keine ungebetenen Ratschläge zu erteilen. Zum Ende trat noch einmal der Chor der jüdischen Gemeinde auf bevor der Schweigemarsch zum Synagogenmahnmal begann.

Auch hier beteiligten sich etwa 300 Menschen. In völliger Ruhe und im abnehmenden Licht des Tages ging es durch die Innenstadt zum Synagogenmahnmal, wo die zahlreichen Kränze nach dem jüdischen Totengebet, gehalten vom Rabbiner Lototski, abgelegt wurden.

Im Anschluss fand im kulturhistorischen Museum die Premiere des Films „9. November 1939 – die Reichspogromnacht in Magdeburg“ verbunden mit einer Lesung aus den Erinnerungen des Rabbiners Georg Wilde statt. Die Lesung bestand aus den Aufzeichnungen Georg Wildes, in denen er seine 11 Tage in Buchenwald beschrieb.

Ich muss sagen ich war ehrlich überwältigt duch die vielen Eindrücke des Tages. Bezeichnend fand ich aber auch die nicht-Teilnahme derer, die zur „Not“ auch militant klar machen, das sie die Linke-Szene in Magdeburg sind … Ich weiß nicht ob ich das als Empathielosigkeit, Ignoranz oder ideologisch logisch werten soll. So oder so finde ich es beschämend …

Terminhinweis:
10.11.2008 // 18 Uhr // Uni-Bibliothek
Zeitzeuginnengespräch mit Gina Bormann
Infotext (AGEA)

zum weiterlesen: (via gruppe iskara)
BAK Shalom: 70 Jahre nach der Reichspogromnacht. Kein Vergessen! Kein Verzeihen!
Jungdemokrat_innen / Junge Linke Brandenburg: „I remember, remember the 9th of november…“