Magdeburg … denn irgendwas ist ja immer   

Das man in Magdeburg in dem, was sich als linke Szene selbst inszeniert, kein Problem mit der Praxis- sondern eher mit der Theoriefrage hat, wird zum Leid der Mitmenschen immer wieder unter Beweis gestellt. Viel wichtiger und Hauptaugenmerk ist vor allem die Verknüpfung von „was Tun“ mit einem mindestens weltpolitischen Zusammenhang um noch den unbedeutensten Furz und sich selbst zu überhöhen. Wenn dann mal wieder ein brennender Mülleimer zum Vorschein der Revolution erhoben wird, ist der Selbstbetrug als Konsens eingestellt. Kein Spaziergang, kein Plakatieren, kein irgendwas, das nicht in den internationalen Kampf kontextualisiert werden könnte, ja sogar muss, um nicht der eigenen Irrelevanz in die Augen sehen zu müssen.

Und auch in dieser Woche wurde wieder Hand angelegt an die „[p]roletarische Selbstorganisierung“1, als, laut Indymedia 30, laut lokaler Tageszeitung 10, Menschen sich an einer „kämpferische Spontandemo“2, laut lokaler Tageszeitung Parkplatzaufenthalt und Flucht, beteiligten. Dann zogen die selbsternannten Kiezkönige durch den „linken Bezirk Stadtfeld“3, laut lokaler Tageszeitung nur „Stadtfeld“, um gegen die Überfremdung durch Yuppies4 vorzugehen und noch etwas kaputt zu machen. Nachdem man „luxussanierte“ Häuser mit Farbeiern beschmissen hatte, wurde nochmal darauf hingewiesen das man sich die Wohnungen darin – „Mieten senken“5 – nicht leisten könne – schon aus Prinzip nicht, da ja schon angekreidet wurde das sie luxussaniert6 wären. Dazu noch mal „No G8″ gebrüllt und sich auf Proteste gegen den G8 in Japan bezogen, damit es nicht nur Stumpfsinn, sondern wenigstens politischer Stumpfsinn mit weltpolitischem Kontext ist, den man da veranstaltete.

Ich glaube es war Zeitverschwendung darüber zu bloggen …

  1. zitiert nach: http://de.indymedia.org/2008/07/221769.shtml [zurück]
  2. ebd. [zurück]
  3. ebd. [zurück]
  4. ebd. Gerufen wurden so latte-macciato-feindliche Sachen wie „Yuppies raus“ [zurück]
  5. ebd. [zurück]
  6. offenbar eine schreckliche Vorstellung: Luxus [zurück]

12 Antworten auf “Magdeburg … denn irgendwas ist ja immer”


  1. 1 scheckkartenpunk 11. Juli 2008 um 13:29 Uhr

    haha, den g8 bezug habe ich beim überfliegen auf indymedia auch gesucht.

  2. 2 saltzundessick 12. Juli 2008 um 11:29 Uhr

    was kostet denn wohl so eine luxussanierte wohnung in stadtfeld ?
    das ist doch sicher bezahlbar ? man beachte vor allem die rahmenbedingnungen, ist das denn attraktiv fuer besserverdiener? ich denke nicht.

  3. 3 IdrawESCAPEplans 12. Juli 2008 um 14:13 Uhr

    alles durchaus im rahmen ;-)
    see >> klick

  4. 4 Seifenblase 13. Juli 2008 um 15:24 Uhr

    Ich wohnte in Stadtfeld und die Mieten werden immer Höher. Vor 5 Jahren sah das noch anders aus. Deshalb verstehe ich nicht wie sich „IdrawESCAPEplans“ hier rausnehmen kann zu behaupten das „alles durchaus im rahmen“ ist. In einer Linken Bewegung sollte man sich für sozial Schwache Menschen einsetzten und mit Farbaktionen die Hausbesietzer bzw. die Vermieter unter Druck setzten.

    Für mich bist du einfach nur ein Internet-Linker* der viel erzählt aber nichts macht um die Situation für uns alle zu verbessern.

    *wenn man Linker sagen kann

  5. 5 IdrawESCAPEplans 13. Juli 2008 um 15:52 Uhr

    ja macht nix ;)
    ich hab nie behauptet das mieten eine soziale einrichtung wären. weiterhin würde ich auch zustimmen, dass doch bitte jeder und jede so leben kann wie er/sie es möchte – ob luxusapartement oder bruchbude mit wasserschaden und sozialromantik. sich aber vorzumachen das farbaktionen ein hebel gegen den (wohnungs-)markt darstellen, finde ich nicht nachvollziehbar. man kann noch soviel druck auf vermieter und verwalter ausüben, diese sind auch gezwungen sich ökonomisch zu behaupten, so sie denn nicht pleite gehen wollen. da kann man dann maximal noch erreichen das ein paar existenzen zerbrechen. sehr sozial …

    im übrigen meint im rahmen auch, das viele der böse luxussanierten gebäude, oft nicht teurer sind als die unsanierten. fieser weise sind die wohnungen dann aber isoliert und gestrichen wurden. skandal!

  6. 6 tee 13. Juli 2008 um 21:20 Uhr

    man kann noch soviel druck auf vermieter und verwalter ausüben, diese sind auch gezwungen sich ökonomisch zu behaupten, so sie denn nicht pleite gehen wollen. da kann man dann maximal noch erreichen das ein paar existenzen zerbrechen. sehr sozial …

    ja, sieht man ja regelmässig bei solchen aktionen dass die aktionierten gleich pleite gehen statt sich nach den marktgesetzen zu richten und ihr handeln dem weg des kleinsten verlustes anzupassen.

    im übrigen meint im rahmen auch, das viele der böse luxussanierten gebäude, oft nicht teurer sind als die unsanierten. fieser weise sind die wohnungen dann aber isoliert und gestrichen wurden. skandal!

    auch klar. die stecken kohle rein um genausoviel wie vorher damit zu verdienen. alles für die mieter/innen. sind halt wirklich noch sozial diese sanierungswütigen immobilieneigentümer. sehr sozial …

    ps: vielleicht bringste einfach mal ein paar nachweise für solche behauptungen.

  7. 7 tee 13. Juli 2008 um 21:22 Uhr

    mist.

  8. 8 widerstandherd mensa 14. Juli 2008 um 9:48 Uhr

    was macht ihr eigentlich??? wer keine eigene praxis hat kann theoretisch jeden scheiß behaupten. theorie läßt sich nur in der praxis messen.

  9. 9 IdrawESCAPEplans 14. Juli 2008 um 10:00 Uhr

    tee, ich hab gesagt, dass es meiner ansicht nach, genau das ist, was maximal bei rum kommen kann. natürlich gehen vermieter nicht alle nase lang pleite wegen sowas. meist spielt sich doch eh alles im rahmen von kleinem vandalismus ab, der den vermieter zwar ärgert aber das wars dann wohl auch schon. sicher muss man sich als mietender deshalb nicht alles gefallen lassen aber das hat dann irgendwie so garnix mit dem g8 oder klassenkampf zu tun. das ist ja eher mein problem an der ganzen aktion: sozialdemokratie im radikalen schick …

    zum zweiten: klar werden einige wohnungen teurer. im grunde ist es aber kein problem in magdeburg auch günstige sanierte wohnungen in guter lage zu bekommen. das zum einen – zum anderen ist aber die sanierung an sich nicht das problem – bessere isolierungen und heizungssysteme – warum sollte man da was gegen haben? vielmehr ist doch klar das ein wohnungsmarkt, wie alles andere, nicht sozial sein kann. entweder kann ich es mir leisten oder nicht – das ist die knallharte regel die alle von der wohnung bis zum supermarkt trifft. sinniger finde ich es daher eher auf interessenverretungen für mietende zu setzen – social networking etc. – da dies am ehesten noch unterstützung bedeuten kann, die im konkreten fall etwas bringt.

  10. 10 IdrawESCAPEplans 14. Juli 2008 um 10:40 Uhr

    @ widerstandherd mensa
    warum fragst du, wenn dein urteil eh schon steht?

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