Archiv für März 2007

  mit Adorno nicht zur Ostsee   

Der gute Adorno wär wohl auch zu Hause geblieben, wenn die Bunte Mischung aus Globalisierungskritiker_innen und Gegner_innen in diesem Jahr nach Heiligendamm pilgert. Wieso und Warum, dass erläuterte Mario Möller in der Jungle World.

Lieber nicht tanzen gehen
Der Antikapitalismus der Globalisierungskritik will nicht über den Kapitalismus hinaus, sondern hinter ihn zurück. von mario möller

Einer jeden praktischen Intervention stehen eine angemessene Analyse der gegebenen Situation und ihre kritisch-theoretische Reflexion gut zu Gesicht. In diesem Sinne wäre Kritik bereits Praxis und Erkennt­nis Index des Richtigen. Die Proteste gegen den G 8-Gipfel in Heiligendamm jedoch haben mit Praxis in diesem Sinne nichts gemein. Darum rate ich aus der Perspektive der Kritischen Theorie, die von Bewegungslinken immer schon als elitär oder, um eine Formulierung von Petra Fischer aus der Jungle World (Nr. 04/07) aufzugreifen, als »geistiger Snobis­mus« abgetan wurde, davon ab, an dem »Tanz« in Heiligendamm (ebenfalls Petra Fischer) teilzunehmen. Und das hat nicht nur etwas mit der erwartbar schlechten Musik zu tun, die zum »Tanz« aufspielen wird, sondern hat politische Gründe.

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  Was heißt antideutsch?   

An dieser Stelle sei allen der Artikel von Stephan Grigat zum Thema „Antideutsche“ ans Herz gelegt. Ich fand ihn sehr gut und differenziert geschrieben. Grigat ist lehrbeauftragter am Wiener Institut für Politikwissenschaft und arbeitet als freier Autor und Forschungsstipendiat in Tel Aviv.

“Diese Antideutschen! Seit gut 15 Jahren geistern sie durch die bundesrepublikanische politische Diskussion; und in letzter Zeit tauchen sie auch in österreichischen Debatten auf. Rassisten sollen sie sein. Und Bellizisten. Freunde von Bush und Verehrer Sharons. Mal hält man sie für akademische Karrieristen, mal für fiese Polemiker. Die Linken hassen sie, weil sie in ihnen liberal-konservative Konvertiten sehen. Die Rechten mögen sie nicht, weil sie Marxisten seien. Woher kommen diese ungeliebten Kritiker? Und was wollen sie?

Den ganzen Artikel gibts hier:
http://cliffcosmos.blogsport.de/2007/03/04/was-heiat-antideutsch/

  just another hc show   

Callejon & Dimitrij @ Reil78

Am 18.02. haben Callejon in der Reilstraße in Halle gespielt. Die Band kannte ich vorher nicht wirklich, hab nur mal ne mp3 von ihnen gehört, die soweit ganz okay klang. Da ich aber dankbar für eine Abwechslung vom ganzen Umzugsstress war, hab ich die Gelegenheit gleich genutzt um mir Callejon auch mal live anzusehen.

Gegen 22 Uhr sind wir in der Reil aufgeschlagen. Der Laden war schon knacken voll und über die Hälfte der Leute sah aus nach Mode-Hardcore Myspace-Opfern. Obwohl Opfer zu passiv klingt – die Leute suchen sich den scheiss ja selber aus. Tja aber angesichts der (sub)kulturellen Gleichschaltung bekommt so was wie „all equal all different“ gleich ne ganz andere Bedeutung. Ich für meinen Teil war jedenfalls einigermaßen genervt.

Im Konzertraum fing gerade die Vorband an. Dimitrij aus … ähm ich glaube Österreich. Mein erster Blick fiel auf ein At The Drive In Shirt und ich war gespannt was ein Mensch mit solchen Einflüssen für Musik macht. Konnte ja eigentlich nur gut werden. Und dann gabs ne schöne Portion Screamo, der ziemlich noisig rüberkam. Kann an der Anlage gelegen haben aber kann auch Absicht gewesen sein. Jedenfalls gab’s soundmäßig was in Richtung Ebullition-Bands – Nix unglaublich neues aber mensch muss ja nicht immer das Rad neu erfinden. Schönes emotionales Brett mit viel Bewegung auf der Bühne.

Dann kamen Callejon, die mich merkwürdiger Weise sofort genervt haben. Keine Ahnung – ich kann mit den gestylten Mittelstandsjungs nix anfangen. Musikalisch war es handwerklich okay aber ziemlich langweilig. Moshpart – Sing-A-Long – Geholze. Dazwischen gabs blöde Ansagen des Frontmenschen, die meinen nicht all zu prallen Gesamteindruck abrundeten. Die Hardcoremacker im vorderen Bereich haben es dann eh zur Geduldsprobe werden lassen, es im Konzertraum auszuhalten.

Vom Merch Stand von Dimitrij hab ich dann noch das bislang (soweit wie gelesen) sehr tolle Glow In The Dark Magazine #4.